Deutlich mehr Asylbewerber in Deutschland und Europa

29. Januar 2015

Der hohe Zuzug von Asylsuchenden nach Deutschland hält an. Im vergangenen Jahr stellten erneut deutlich mehr Schutzsuchende einen Asylantrag als im Vorjahr. In der gesamten Europäischen Union steigt die Zahl der Asylanträge.

Am 14. Januar veröffentlichte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Asylstatistik für 2014. Demnach stellten im vergangenen Jahr insgesamt 202.834 Menschen einen Asylantrag (2013: 127.023, +59,7 %) in Deutschland. Davon waren 173.072 Erstanträge (109.580, +57,9 %) und 29.762 Folgeanträge (2013: 17.443, + 70,6 %). Damit setzt sich der Trend steigender Antragszahlen seit dem Tiefpunkt im Jahr 2007, als 30.303 Asylanträge (19.164 Erstanträge, 11.139 Folgeanträge) registriert wurden, im siebten Jahr in Folge fort (vgl. Ausgaben 2/14, 1/12, 1/10). 2014 wurde die vierthöchste jemals in Deutschland registrierte Zahl von Asylanträgen verzeichnet. Diese lag jedoch weiterhin deutlich unter der des Rekordjahres 1992, als insgesamt rund 440.000 Personen Asyl beantragten.

Wichtige Herkunftsländer: Die meisten Asylanträge wurden 2014 von Menschen aus Syrien, Serbien, Eritrea, Afghanistan und dem Irak gestellt (siehe Grafik). Die größte Zahl der neuen Antragsteller (Erstanträge) kam 2014 aus Syrien (39.332). Das waren mehr als dreimal so viele wie 2013 (11.851, +231,9 %). Weitere wichtige Herkunftsstaaten neuer Asylantragsteller waren Serbien (17.172, +49,9 %), Eritrea (13.198, +265 %), Afghanistan (9.115, +17,8 %) und Albanien (7.865, +530,7 %).

Schutzquote: Im vergangenen Jahr hat das BAMF über 128.911 Asylanträge entschieden (2013: 80.978, +59,2 %) und stellte in 40.563 Fällen einen Schutzanspruch fest (Asylberechtigung, Flüchtlingsschutz nach Genfer Flüchtlingskonvention, Subsidiärer Schutz oder Abschiebeverbot). Die sich daraus ergebende Gesamtschutzquote lag bei 31,5 % und somit 6,6 Prozentpunkte höher als 2013. Überdurchschnittlich hoch war die Schutzquote bei Syrern (89,3 %), Irakern (73,9 %) oder Eritreern (55,2 %). Bei Menschen aus Serbien (0,2 %), Mazedonien sowie Bosnien und Herzegowina (je 0,3 %) war die Schutzquote dagegen äußerst gering. Die Länder sind seit November 2014 als sogenannte sichere Herkunftsstaaten eingestuft (vgl. Ausgabe 8/14). Betrachtet man die sogenannte bereinigte Gesamtschutzquote, bei der nur die Asylanträge berücksichtigt werden, bei denen auch inhaltlich geprüft wird, ob ein Schutzanspruch besteht, lag die Schutzquote insgesamt sogar bei annähernd 50 % (2013: 48,5 %). Nicht berücksichtigt werden bei einer solchen Betrachtung Ablehnungen aus formellen Gründen, darunter insbesondere die Anträge, für die laut der Dublin-Verordnung ein anderes Land zuständig ist.

Europäischer Trend: Nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten EU steigt die Zahl der Asylanträge. Nach vorläufigen Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat wurden 2014 EU-weit circa 600.000 Asylanträge gestellt (2013: 465.000, +30 %). Die Verteilung der Asylbewerber auf die einzelnen EU-Staaten bleibt dabei weiterhin äußerst ungleich (vgl. Ausgabe 7/14).

Globaler Trend: Ende 2013 registrierte das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) einen Rekordwert von weltweit 51,2 Mio. Vertriebenen, darunter 1,2 Mio. Asylbewerber in westlichen Industriestaaten. Laut UNHCR wurden allein in den ersten sechs Monaten 2014 weitere 5,5 Mio. Menschen gezwungen, aus ihren Wohnorten zu fliehen. Nach wie vor verbleiben mehr als 80 % aller Flüchtlinge in den unmittelbaren Nachbarstaaten ihres Herkunftslandes und stellen keinen Asylantrag in einem Industriestaat.

Die meisten Flüchtlinge weltweit kamen Mitte 2014 aus Syrien (über 3 Mio.), Afghanistan (2,7 Mio.), Somalia (1,1 Mio.), dem Sudan (670.000) und Süd-Sudan (509.000). Mit einem Rückgang der Flüchtlingszahlen ist aufgrund anhaltender Konflikte vorerst nicht zu rechnen (vgl. Ausgabe 6/14).

Herausforderungen und Ausblick: Nach Einschätzung des BAMF werden die Asylantragszahlen in Deutschland auch 2015 auf einem ähnlich hohen Niveau bleiben oder sogar weiter steigen. Die daraus resultierenden Herausforderungen bezüglich der Bearbeitung der Anträge und der Unterbringung der Flüchtlinge werden also weiter anhalten.

Obwohl das BAMF 2014 mehr Personal eingestellt hat und Anträge von Asylbewerbern aus Serbien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien in einem Schnellverfahren bearbeitet werden, ist die durchschnittliche Bearbeitungsdauer bis zu einer erstinstanzlichen Entscheidung leicht angestiegen. Sie betrug im dritten Quartal 2014 durchschnittlich 8,4 Monate (Durchschnitt 2013: 7,2 Monate). Im Koalitionsvertrag ist das Ziel einer maximalen Bearbeitungsdauer von drei Monaten festgehalten. Auch die Zahl unbearbeiteter Anträge wächst weiter, Ende 2014 umfasste sie 169.166 Asylanträge (Ende 2013: 95.743, +76,7 %). 

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