Großstädte sind Zuwanderungsmagneten

11. Juni 2015

Großstädte sind für Zuwanderer besonders attraktiv. Wie Daten des Mikrozensus 2013 belegen, ist in einigen der bevölkerungsreichsten Städte Deutschlands ein besonders hohes Wachstum der Bevölkerung mit Migrationshintergrund zu verzeichnen. Die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund wächst in vielen deutschen Städten hingegen nur langsam, stagniert oder schrumpft.

Immer mehr Menschen in Deutschland zieht es vom Land in die Stadt. Selbst Eltern mit Kindern ziehen seltener als früher ins Umland von Städten. Experten sprechen bereits von einer Renaissance der Städte, die den Traum vom Haus im Grünen teilweise bereits abgelöst habe. Nicht alle Städte profitieren jedoch von dieser Entwicklung. So stehen wachsende Städte schrumpfenden Städten gegenüber (vgl. Ausgabe 5/14). Zu dieser Entwicklung trägt auch die Zuwanderung aus dem Ausland bei, von der nicht alle Städte gleichermaßen profitieren. Ein Blick auf die 15 bevölkerungsreichsten deutschen Städte zeigt, dass sich der Anteil der Einwohner mit Migrationshintergrund sehr unterschiedlich entwickelt (siehe Infografik).

In Deutschland leben laut Mikrozensus 2013 rund 16 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund (vgl. Ausgabe 9/14) – mit rund 4 Mio. ein Viertel davon in den 15 größten Städten. Im Städtevergleich verzeichnet Frankfurt/Main (45 %) den höchsten Anteil von Einwohnern mit Migrationshintergrund, gefolgt von Nürnberg (37,7 %), Stuttgart (37,1 %), München (36 %) und Düsseldorf (35,2 %). Der durchschnittliche Anteil der Bevölkerungsgruppe mit Migrationshintergrund in den 15 ausgewerteten Städten lag bei 29 %.

Somit belegen die Zahlen des Mikrozensus, dass sich der bereits in den letzten Jahren beobachtete Trend eines besonders starken Wachstums der Bevölkerung mit Migrationshintergrund in den Großstädten (vgl. Ausgabe 9/12) parallel zum Wachstum dieser Bevölkerungsgruppe im gesamten Bundesgebiet weiter fortgesetzt hat.

Die diesen Zahlen zugrundeliegenden Daten des Mikrozensus 2013 sind jedoch nur bedingt mit früheren Zahlen vergleichbar, da bis einschließlich 2012 die Fortschreibung der Volkszählung aus dem Jahr 1987 Grundlage für den Mikrozensus war. Im Nachhinein wurden die Daten des Mikrozensus 2011 und 2012 jedoch auf der Basis der Ergebnisse des Zensus 2011 korrigiert (vgl. Ausgabe 5/13).

Bei einem Vergleich von Daten des Zensus und Mikrozensus ist ferner zu beachten, dass es sich dabei um getrennte Erhebungen handelt, die auf unterschiedlichen Stichproben sowie verschiedenen Hochrechnungsverfahren beruhen. Während beim Zensus 2011 10 % der Gesamtbevölkerung Deutschlands befragt wurden, beläuft sich die jährliche Stichprobe beim Mikrozensus auf nur 1 %.

Der vorgenommene Vergleich der Zahlen des Zensus 2011 mit dem Mikrozensus 2013 zeigt, dass die Entwicklung in den Städten sehr unterschiedlich ist. Einige verzeichneten in diesem Zeitraum ein besonders hohes Wachstum der Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Dazu zählen Berlin, München, Köln und Düsseldorf (Wachstumsrate von jeweils +10 %), aber auch Dresden und Hannover (jeweils + 9 %) sowie Dortmund (+ 8 %). Dieses Wachstum lässt sich in erster Linie auf die hohe Zuwanderung aus dem Ausland in den vergangenen Jahren zurückführen (vgl. Ausgabe 1/14). Ein Blick auf die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund in diesen Städten zeigt, dass diese im selben Zeitraum (in relativen Zahlen) nur sehr gering gewachsen (Berlin, München und Dresden), stagniert (Köln) oder sogar leicht zurückgegangen ist (Düsseldorf, Dortmund und Hannover).

In anderen Städten stagnierte die Bevölkerung mit Migrationshintergrund oder ging sogar leicht zurück. Dies war zwischen 2011 und 2013 etwa in Duisburg (-3 %), Leipzig (-1 %) und Stuttgart (-1 %) der Fall. Zugleich wuchs in diesen Städten die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund an.

Interessant ist der Fall der gegenläufigen Tendenzen in den beiden sächsischen Großstädten Leipzig und Dresden. Während der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Dresden gestiegen ist, ist er in Leipzig gesunken. Unter den 15 größten Städten weisen beide Städte den mit Abstand geringsten Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund auf.

Dies macht auch deutlich, dass die gesellschafts- und verwaltungspolitischen Anpassungsmaßnahmen an diese demografischen Prozesse von entscheidender Bedeutung für den gesellschaftlichen Frieden und Zusammenhalt sind. So zeichnet sich Frankfurt/Main als Stadt mit dem höchsten Anteil an Personen mit Migrationshintergrund neben der ökonomischen Attraktivität als Bankenzentrum auch dadurch aus, dass bereits 1989 das damals deutschlandweit einzigartige „Amt für Multikulturelle Angelegenheiten“ eingerichtet wurde.

Berlin als Bundesland verfügt zwar über einen wesentlich niedrigeren Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund als Frankfurt, in einigen Stadtgebieten liegt dieser jedoch bei über 40 %. Zudem verzeichnet Berlin die derzeit höchste Wachstumsrate bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund (+ 10 %), was an der allgemeinen Attraktivität der Stadt liegen dürfte, die auch eine hohe Anzahl von innerdeutschen Zuzügen registriert. Bereits Ende 2010 hat Berlin als erstes Bundesland ein „Gesetz zur Regelung von Partizipation und Integration“ verabschiedet (vgl. Ausgabe 5/10).

Es ist jedoch nicht möglich, solche gesellschaftspolitisch-institutionellen Maßnahmen direkt mit dem Wachstum oder dem Rückgang von Bevölkerungsgruppen in Verbindung zu setzen. Stattdessen dürften die jeweilige ökonomische Attraktivität der Städte sowie insbesondere auch das Vorhandensein von sozialen Netzwerken eine zentrale Rolle spielen.

Insgesamt gilt für Deutschland in Zeiten des demografischen Wandels, dass die Gesamtbevölkerung ohne Zuzüge aus dem Ausland schrumpfen würde, weil die Zahl der Sterbefälle die der Geburten zunehmend übersteigen wird (vgl. Ausgaben 3/15).

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