Am 4. Dezember 2001 veröffentlichte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die so genannte PISA-Studie 2000 (Programme for International Student Assessment). Hierbei handelt es sich um eine international standardisierte Leistungsmessung von 15-jährigen Schülern in 32 Industrieländern. Gegenstand der Untersuchung waren sowohl OECD-Länder als auch Nichtmitgliedstaaten.
Die PISA-Studie wurde im Jahr 2000 erstmals durchgeführt und soll alle drei Jahre wiederholt werden. Getestet wurden Lesekompetenz sowie mathematische und naturwissenschaftliche Grundbildung. Es wurden
ferner verschiedene Faktoren berücksichtigt, die die schulischen Leistungen von Kindern und Jugendlichen masgeblich beeinflussen können. So wurden die Schüler gebeten, Hintergrundfragen über sich selbst zu beantworten, ebenso gaben Schulleiter Auskunft über ihre Schule. Insgesamt nahmen im Frühsommer 2000 an der Studie 180.000 Schüler teil, die sich aus repräsentativen Stichproben der Teilnahmeländer zusammensetzen. Die Stichprobe für Deutschland enthielt 5.000 Schüler aus insgesamt 219 Schulen.

In der Gesamtwertung schlossen Finnland (546 Pkt.) und Kanada (534 Pkt.) bei den Leseleistungen am besten ab; Mexiko (422 Pkt.) und Brasilien (396 Pkt.) lagen am unteren Ende der Skala. Deutschland kam auf Platz 21 (484 Pkt.) und liegt damit deutlich unter dem OECD-Mittelwert (500 Pkt.).
Im Hinblick auf die mathematischen Fähigkeiten führen Japan (557 Pkt.) und Korea (547 Pkt.), am schlechtesten schnitten Mexiko (387 Pkt.) und Brasilien (334 Pkt.) ab. Deutschland erreichte hier 490 Punkte (OECD-Mittelwert = 500 Pkt.) und steht damit an 20. Stelle.
Auch in der naturwissenschaftlichen Grundbildung führen Korea (552 Pkt.) und Japan (550 Pkt.); Luxemburg (422 Pkt.) und Brasilien (375 Pkt.) erreichten die niedrigsten Ergebnisse. Auch hier lag Deutschland auf Platz 20 (487 Pkt.) mit 13 Punkten unter dem OECD-Durchschnitt von 500 Punkten.
In vielen der teilnehmenden Länder gab und gibt es beträchtliche Wanderungsbewegungen, die dazu führen, dass sich die Bildungssysteme auf Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und die damit einhergehenden Bedürfnisse einstellen müssen. Um die Bildungsintegration von Schülern mit Migrationshintergrund analysieren zu können, wurden drei verschiedene Schülergruppen befragt: Inländer (native students), d.h. Schüler, die im Untersuchungsland geboren wurden und von denen mindestens ein Elternteil auch schon dort geboren wurde. Schüler, die im Untersuchungsland geboren wurden, deren Eltern jedoch zugewandert sind (first-generation students) und ausländische Schüler, die wie ihre Eltern im Ausland geboren wurden und später zuwanderten (non-native students). Bei letzteren handelt es sich um die heterogenste Gruppe, da sie sowohl Schüler enthält, die sich erst seit kurzem im Untersuchungsland aufhalten, als auch solche, die dort schon seit Jahren leben. Die Aufenthaltsdauer wurde nicht erfasst.
über die Länder, deren Schülerschaft zu mindestens 3% aus Schülern mit Migrationshintergrund besteht, lassen sich folgende allgemeine Aussagen treffen. Die „first-generation students" verfügen über eine wesentlich geringere Lesekompetenz als „native students", obwohl sie im Untersuchungsland geboren sind. Die Unterschiede reichen von 31 Punkten (Neuseeland) bis 111 Punkten (Belgien). In der Bundesrepublik erreichten hier geborene Kinder von Zuwanderern 75 Punkte weniger als Kinder, deren Eltern bereits in Deutschland geboren wurden. Der OECD-Durchschnitt liegt in diesem Fall bei 39 Punkten Unterschied. Kinder, die selbst als Migranten kamen, liegen erwartungsgemäß noch weiter zurück. Hier beträgt der Unterschied für Deutschland 88 Punkte, während
es OECD-weit durchschnittlich nur 60 Punkte Differenz sind.
Betrachtet man die Schüler ohne Migrationshintergrund allein, schneidet Deutschland geringfügig überdurchschnittlich ab (siehe Tabelle 2). Sowohl im Hinblick auf die Lesekompetenz als auch auf die mathematische und naturwissenschaftliche Grundbildung erreichte Deutschland Werte, die leicht über dem OECD-Mittelwert liegen (+1 Pkt.; +6 Pkt., +3 Pkt.). Die unterdurchschnittlichen Ergebnisse in der Gesamtwertung sind demnach u.a. auf die mangelhafte Integration der Schülerpopulation mit Migrationshintergrund und deren relativ großen Anteil an der Gesamtschülerschaft in Deutschland zurückzuführen.
Der transatlantische Vergleich zeigt, dass die Leistungsunterschiede zwischen den einzelnen Schülergruppen in den USA deutlich geringer sind als in Deutschland. Der Abstand der „native students" zu den „first-generation students" beträgt in den USA lediglich 33 Punkte (D: 75 Pkt.) und zu den „non-native students" 45 Punkte (D: 88 Pkt.).
In Deutschland wurden die PISA-Ergebnisse mit Besorgnis aufgenommen. Die Kultusministerkonferenz reagierte umgehend und stellte fest: „Eine der wichtigsten Schlussfolgerungen, die aus PISA gezogen werden muss, ist die klare Ausrichtung des Unterrichts weg von theoretischer, lebensferner Bildung hin zu einer handlungs- und anwendungsorientierten Kompetenz der Schülerinnen und Schüler in Deutschland". as
Der direkte Ländervergleich für die drei Schülergruppen ist im Internet verfügbar unter:
www.pisa.oecd.org/knowledge/annexb/t6_10.htm
Weitere Informationen unter:
www.pisa.oecd.org
www.pisa.oecd.org/knowledge/chap6/h.htm
www.kmk.org