Die Zahl der Flüchtlinge, die im Jahr 2001 illegal auf dem Seeweg nach Griechenland einreisen wollten, verdoppelte sich nahezu. Nach Angaben der griechischen Handelsmarine griffen die Behörden 6.864 Personen (2000: 3.664) und 137 Menschenschmuggler auf. Insgesamt gehen die Behörden für das vergangene Jahr von ca. 250.000 illegal eingereisten Flüchtlingen aus Asien, dem Nahen Osten und Afrika aus.
Nahezu täglich erreichen Flüchtlingsschiffe das südöstlichste Mitgliedsland der EU, das mit seinen 9.984 Inseln die längste Küste Europas hat. Die meisten Schiffe legen in der Türkei ab. Die Entfernung zwischen der griechischen Insel Kos und dem türkischen Festland beträgt nur rund 3 km. Daher wurde im November 2001 ein Rücknahmeabkommen mit der Türkei geschlossen. Andere Flüchtlinge kommen über die Berge aus Albanien oder über die Minenfelder am griechisch-türkischen Grenzfluss Maritza.
„Griechenland hat keine koordinierte Flüchtlingspolitik“, sagte Jorgos Kosmadakis vom Griechischen Flüchtlingsrat, einer privaten Hilfsorganisation, die sich im Auftrag der Regierung um die Flüchtlinge kümmert. Auf einigen Inseln können sich die Flüchtlinge frei bewegen, während sie auf anderen sofort inhaftiert werden. Kurden und Afghanen erhalten meist eine dreimonatige Aufenthaltserlaubnis mit der Aufforderung, anschließend das Land zu verlassen.
Die derzeitige Wirtschaftskrise in der Türkei und der Krieg in Afghanistan ließen die Flüchtlingswelle anwachsen. Die meisten Flüchtlinge wollen nach Westeuropa weiterziehen, vorzugsweise nach Großbritannien oder Deutschland. Deshalb forderte Ministerpräsident Kostas Simitis (Sozialisten) im Dezember vergangenen Jahres die Schaffung einer europäischen Grenzpolizei, die die Flüchtlinge daran hindern soll, EU-Territorium zu betreten. Auch eine Teilung der Kosten für die Rückführung der Flüchtlinge solle diskutiert werden, so Simitis. me