Die Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen (UN Population Division) veröffentlichte Ende Oktober den Internationalen Migrationsreport 2002. Demnach lebten im Jahr 2000 rund 175 Mio. Menschen in einem Staat, in dem sie nicht geboren worden waren. Dies entspricht etwa 3% der Weltbevölkerung (2000: ca. 6,1 Mrd.).
Der Migrationsreport ist eine umfassende Dokumentation von weltweiten Migrationsdaten. Der Bericht umfasst Datenmaterial zu Migration, Flucht, nationalen Migrationspolitiken sowie finanziellen Rücküberweisungen. Die Statistiken sind dabei nach Kontinenten, Regionen und Staaten untergliedert. UN Population Division definiert Migranten grundsätzlich als Personen, die in einem anderen Land als ihrem Geburtsland wohnen. Wenn diese Daten nicht vorhanden sind (wie im Fall Deutschlands), wurden die Statistiken über ausländische Staatsangehörige als Quelle herangezogen. Soweit möglich, wurden auch illegal anwesende Migranten mit berücksichtigt. Flüchtlinge bezieht der Report ebenso in die Kategorie der Migranten ein.
Die im Internationalen Migrationsreport 2002 zusammengetragenen Daten basieren größtenteils auf nationalen Statistiken auf dem Stand Mitte 2000 sowie auf Schätzungen. Das Grundproblem einer weltweiten Sammlung von Wanderungsdaten sind die von Staat zu Staat variierenden Quellen, unterschiedliche Definitionen und Erhebungskonzepte sowie die geringe Plausibilität statistischer Daten einiger Staaten.
Dem Bericht zufolge leben etwa 60% aller Migranten in Europa, Nordamerika, Australien, Neuseeland und Japan. Die insgesamt 104 Mio. Migranten in diesen Regionen stellen 8,7% der dortigen Gesamtbevölkerung dar. In den restlichen Weltregionen leben 40% der Migranten. Diese rund 81 Mio. Personen machen dort lediglich 1,5% der Gesamtbevölkerung aus Lateinamerika, Afrika und Asien (ohne Japan).
Der europäische Kontinent ist mit 56,1 Mio. Migranten Hauptzielgebiet internationaler Migration (7,7% der Bevölkerung), so der Report. Betrachtet man nur die 15 Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU), so beläuft sich die Zahl der Migranten auf 26,4 Mio. (7% der Bevölkerung). Dabei gibt es vor allem in Frankreich und Großbritannien extrem hohe Abweichungen zu bisherigen Statistiken. Im restlichen Europa (außerhalb der EU) leben laut dem Report 29,7 Mio. Migranten, davon 24,8 Mio. in Osteuropa. Hier sind vor allem die besonders hohen Zahlen in Nachfolgestaaten der Sowjetunion bemerkenswert: 13,3 Mio. Migranten in der Russischen Föderation und 7 Mio. in der Ukraine. Dies lässt sich vermutlich teilweise dadurch erklären, dass auch frühere Binnenwanderungen mit einbezogen wurden. Eine Person, die beispielsweise in der Ukraine zu Zeiten der Sowjetunion geboren wurde und in die heutige Russische Föderation umsiedelte, würde demnach als Migrant gelten.
In den asiatischen Staaten (ohne Russische Föderation) leben 49,8 Mio. Migranten (1,4% der Bevölkerung). Nordamerika folgt an dritter Stelle mit 40,8 Mio. Migranten (13% der Bevölkerung), wobei der weitaus größte Teil seinen Wohnsitz in den USA hat (35 Mio., 12,4%).
Bei einer Betrachtung der Flüchtlingszahlen wird eine andere Verteilung deutlich. So leben etwa in Pakistan (2 Mio.) und Iran (1,8 Mio.) mehr Flüchtlinge als in sämtlichen Mitgliedstaaten der EU zusammen (1,6 Mio.). In Jordanien fanden 1,6 Mio. Flüchtlinge, vor allem Palästinenser, Zuflucht.
Von den weltweit etwa 16 Mio. Flüchtlingen leben 58% in Asien (9,1 Mio.), 23% in Afrika (3,6 Mio.), 15% in Europa (2,3 Mio.) und nur 4% in Nordamerika (635.000). 12 Mio. Flüchtlinge stehen unter dem Mandat des Hohen Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR), weitere 4 Mio. unter dem Mandat der UN-Agentur für Palästinensische Flüchtlinge (UNRWA).
Der Migrationsreport geht auch auf Rücküberweisungen von Migranten in ihre Herkunftsländer ein. Für Herkunftsstaaten von Migranten stellen diese Rücküberweisungen eine wichtige Geldquelle dar. Die überweisungen von emigrierten (Ex-)Staatsbürgern erhöhten das Bruttoinlandsprodukt der Länder El Salvador, Eritrea, Jamaika, Jemen, Jordanien und Nicaragua im Jahr 2000 um mehr als 10%.
Abschließend kritisieren die Autoren des Migrationsreports die weltweite Tendenz zu einer restriktiven Einwanderungspolitik. Etwa 40% der Staaten implementierten Politiken, die eine Reduzierung der Zuwanderung zum Ziel haben. sta
Weitere Informationen:
www.un.org/esa/population/publications/ittmig2002/ittmig2002.htm