Anfang März übergab das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung der Kultusministerkonferenz (KMK) den dritten vertiefenden Bericht zur PISA-Studie. Er wird im Juni dieses Jahres erscheinen. Der Bericht wirft einen differenzierten Blick auf die Lage in den Bundesländern.
Die PISA-Studie ist eine international standardisierte Leistungsmessung von 15-jährigen Schülern in 32 Industrieländern und wurde im Jahr 2000 erstmals durchgeführt. Anfang Dezember 2001 wurden erste Ergebnisse von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlicht. In der Bundesrepublik wurden rund 5.000 Schüler getestet. Zusätzlich wurde noch eine Ergänzungsuntersuchung durchgeführt (PISA-E), um die Bildungserfolge der einzelnen Bundesländer und der verschiedenen Schultypen auswerten zu können. Hier lag die Gesamtzahl der teilnehmenden Schüler bei rund 50.000.
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Die vertiefende Analyse zeigt folgende wichtige Ergebnisse: „In allen in die Analysen einbezogenen Ländern erreichen Schülerinnen und Schüler, deren Eltern beide im Ausland geboren sind, deutlich geringere Leistungen als Jugendliche ohne Migrationshintergrund" (siehe Tabelle). Dies macht deutlich, dass bei dieser Schülergruppe besonderer Handlungsbedarf seitens des Bildungssystems besteht. Der Bundesrepublik gelingt es vergleichsweise schlechter als anderen Staaten, Kinder aus Zuwandererfamilien zu integrieren. Aufgrund der geringen Zahl dieser Schüler in Ostdeutschland, werden ausschließlich die alten Bundesländer betrachtet. Ausnahmen bilden Hamburg und Berlin, die keine verwertbaren Daten erhoben hatten.
Ein weiterer Befund betrifft den Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in Schulklassen. Hier besteht ein Zusammenhang zwischen dem Anteil dieser Schülergruppe und dem im Durchschnitt erreichten Leistungsniveau. Ab einem Migrantenanteil von 20% zeigte sich „eine sprunghafte Reduktion der mittleren Leistungen auf Schulebene um durchschnittlich 20 Punkte relativ zu Schulen mit weniger als 5% Schülerinnen und Schülern aus zugewanderten Familien." Als besondere Hürde erweist sich hier die Sprachkompetenz. Die meisten Bundesländer wollen daher dazu übergehen, die Beherrschung der deutschen Sprache _ und damit der Unterrichtssprache _ einige Monate vor der Einschulung zu testen und gegebenenfalls Fördermöglichkeiten bereitzustellen. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Hessens Kultusministerin Karin Wolff (CDU), plädierte „für eine sprachliche Integration, die schon im Vorschulalter beginnen muss."
![[Grafik]](http://www.network-migration.org/miginfo/migration_und_bevoelkerung/artikel/030302b.gif)
Seit Bekanntwerden des schlechten Abschneidens Deutschlands bei der PISA-Studie wird intensiv über Möglichkeiten zum Ausbau der Ganztagsbetreuung sowie die Einführung von Bildungsstandards diskutiert. Im Hinblick auf Schüler aus Zuwandererfamilien fasste die Kultusministerkonferenz nach Vorlage des neuen Berichts folgenden Beschluss: „Die Kultusministerkonferenz [...] sieht sowohl im Elementarbereich wie in der Sprachförderung der Kinder mit Migrationshintergrund einen Schwerpunkt ihrer Arbeit. Dem offenkundig schwierigen Umgang mit Heterogenität in der Schule muss durch verstärkte individuelle Förderung Rechnung getragen werden." as
Eine Kurzversion des Berichts ist bereits jetzt im Internet
verfügbar:
www.kmk.org/schul/pisa/PISA3.pdf
Der ausführliche Bericht erscheint im Sommer (Juni 2003) bei Leske+Budrich: Jürgen Baumert, Cordula Artelt, Eckhard Klieme, Michael Neubrand, Manfred Prenzel, Ulrich Schiefele, Wolfgang Schneider, Klaus-Jürgen Tillmann, Manfred Weiß (Hrsg.): PISA 2000 _ Ein differenzierter Blick auf die Länder der Bundesrepublik Deutschland. Opladen: Leske + Budrich. Euro 24,90; ISBN: 3810038555