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Ausgabe 5
Juni 2003
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Kolumbien: Hunderttausende auf der Flucht

Die bürgerkriegsähnlichen Zustände in Kolumbien sorgen dafür, dass es in dem südamerikanischen Staat heute so viele Binnenflüchtlinge gibt wie noch nie zuvor. Rund 412.000 Flüchtlinge waren es nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Codhes im vergangenen Jahr. Kolumbien hat 42 Mio. Einwohner.

Mehrere Millionen Menschen sind seit Beginn des gewaltsamen Konflikts zwischen Regierungstruppen bzw. Paramilitärs und Rebellen Anfang der 90er Jahre auf der Flucht. Genaue Angaben über die Zahl der Binnenflüchtlinge gibt es jedoch nicht. Die Menschenrechtsorganisation Codhes sammelt seit 1985 Daten über Binnenflüchtlinge. 2001 hatte Amnesty International (AI) bereits auf einen Anstieg der Zahl der Binnenflüchtlinge aufmerksam gemacht, damals war von etwa 375.000 Personen die Rede. Die Flüchtlingsströme wären noch deutlich stärker, würden Rebellen und Paramilitärs die Bevölkerung nicht vom Verlassen ihrer Wohnorte abhalten. Oft werden ganze Regionen für Monate vom Rest des Landes abgeschnitten, Straßen kontrolliert und der Verkehr von Menschen und Gütern unterbunden.

Die Machtkämpfe zwischen der kolumbianischen Regierung und den Guerillagruppen, die mehr als die Hälfte des Staatsgebietes unter ihrer Kontrolle haben, verschärften sich in den letzten Jahren. Die stärksten Rebellengruppen sind die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) und das Nationale Befreiungsheer (ELN). Mit Coca-Anbau und Exporten, Kokainproduktion sowie Schutzgelderpressungen und Kidnapping terrorisieren die Guerillas das Land und erzielen hohe Einnahmen. Den linken Guerilla stehen rechte Paramilitärs entgegen. Deren Methoden gleichen denen der Guerilla oft im Wesentlichen, nur die politische Ausrichtung und Organisationsstruktur ist eine andere.

Frühere Regierungen setzten auf Friedensbemühungen mit FARC und ELN. Der im Mai vergangenen Jahres neu gewählte rechtsgerichtete Präsident Alvaro Uribe Vélez (Movimiento Primero Colombia) ist dagegen entschlossen, den schon seit fast 40 Jahren schwelenden Konflikt militärisch zu einem Ende zu führen. Er verhängte den Ausnahmezustand. Streitkräfte und Polizei sollen schrittweise mit finanzieller Unterstützung aus den USA verdoppelt und die Kartelle der Rebellen zerstört werden. Der Konflikt zwischen Guerilla und Paramilitärs wird von der Regierung angeheizt. Es entstehen inoffizielle Koalitionen, bei denen der Armee eine zweifelhafte Rolle zukommt.

Hierunter leidet vor allem die Zivilbevölkerung. Sie wird von den verschiedenen Seiten immer wieder in den Konflikt hineingezogen. Nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen sterben jedes Jahr mindestens 3.000 bis 4.000 Zivilisten an den Folgen des Konflikts, knapp 2.000 werden jährlich entführt. Deshalb flüchtet ein großer Teil der Landbevölkerung in die großen Städte des Landes wie Bogotá, Medellin oder Baranquilla. Die Städte sind vergleichsweise sicher, weil dort weder Rebellen noch Paramilitärs größeren Einfluss besitzen. Der Großteil der Flüchtlinge lebt in prekären Verhältnissen in den Elendsvierteln und trägt so gravierend zu den sozialen Spannungen in den Städten bei. Bei rund der Hälfte der Flüchtlinge handelt es sich laut Codhes um Kinder und Jugendliche. Auch Amnesty International spricht von besorgniserregenden Zuständen insbesondere für Frauen, Kinder und Angehörige indigener Bevölkerungsgruppen.

Die bürgerkriegsähnlichen Zustände führten auch zu einer verstärkten Auswanderung: Zwischen 1999 und 2001 verließen rund 600.000 Kolumbianer ihr Land (vgl. MuB 5/02). Christoph Wöhrle, Humboldt-Universität Berlin

Weitere Informationen unter:
www.ai-kolumbienkoordination.de/Kolumbien/kolumbien.html
www.amnesty-kolumbien.de
www.codhes.org.co

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