Durch die Osterweiterung der EU wird die Volksgruppe der Roma zur größten ethnischen Minderheit innerhalb der Europäischen Union. Dann werden rund 8 Mio. Roma EU-Bürger sein.
Anna Diamantopoulou, EU-Kommissarin für Beschäftigung und Soziales, bezeichnete dies als „eine Herausforderung für die Union". In den ehemals kommunistischen Ländern Europas seien Roma die großen Verlierer der politischen Wende, erklärt der ungarische Ministerpräsident Péter Medgyessy (Sozialdemokraten). Zur Zeit des Staatssozialismus war ihnen noch ein Mindestmaß an sozialer Versorgung garantiert, wenn auch um den Preis kultureller Diskriminierung.
Seit 1989 beobachtet die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) jedoch den „Bau einer neuen Mauer", wie es in einem Bericht aus dem Jahr 2000 heißt. Man könne von systematischer Diskriminierung sprechen.
Seit dem Jahr 2000 werden unionsweite Projekte zur Verbesserung der Lage der Roma initiiert. 77 Mio. Euro wurden seither im Rahmen des „Phare-Programms" in Roma-Projekte investiert. Phare ist ein Förderprogramm, mit dem die EU die Beitrittsländer bei ihren Vorbereitungen unterstützt.
Roma aus Ländern, die bereits der EU angehören, werden durch den Europäischen Sozialfonds unterstützt. Darüber hinaus werden die Beitrittsländer dazu angehalten, selbst die Situation der Roma zu verbessern. In ihrem letzten Bericht von Ende 2002 hält die EU-Kommission fest, dass erst ein kleiner Teil des Weges zurückgelegt sei: In Tschechien seien Roma in einer „schwierigen Situation", in Ungarn „leiden Roma immer noch unter Benachteiligungen". Auch die Slowakei müsse die Lage der Roma verbessern, forderte die Kommission.
In diesem Zusammenhang gibt der Vorsitzende des Kulturvereins Österreichischer Roma, Rudolf Sarközi, zu bedenken: Analphabetismus, minderer Zugang zu den Bildungssressourcen und zu den Arbeitsmärkten würden Roma flächendeckend zu Sozialhilfeempfängern machen. Und das führe dann zu einer Stigmatisierung der Betroffenen als „Sozialschmarotzer". Aus diesem Grunde müsse eine umfassende Integration dieser Bevölkerungsgruppe angestrebt werden. rm
Weitere Informationen:
www.worldbank.org/roma