Im Osten der Demokratischen Republik Kongo haben wieder aufflammende Kämpfe zwischen verfeindeten Militäreinheiten zehntausende Menschen in die Flucht getrieben.
Die Friedensmission der Vereinten Nationen im Kongo (Monuc) nannte für die Provinz Süd-Kivu die Zahl von 150.000 Flüchtlingen. Angaben internationaler Hilfswerke bewegen sich zwischen 35.000 und 175.000. Der Beginn einer großflächigen ethnischen Vertreibung der ruandischen Bevölkerung wird befürchtet. Bereits im vergangenen Jahr wurde der Kongo von heftigen Bürgerkriegs-Konflikten heimgesucht (vgl. MuB 06/03).
Hintergrund der Kämpfe ist die jüngste militärische Offensive, die der regierungstreue Armeekommandant der Region Süd-Kivu, Mbuza Mabe, gegen den abtrünnigen ruandischstämmigen General Laurent Nkunda startete. Die regierungstreuen Truppen bestehen zur Mehrzahl nicht aus regulären Soldaten, sondern aus den lokalen Mayi-Mayi-Milizen, die seit Jahren gegen die ruandischstämmige Minderheit im Ostkongo kämpfen. Damit nehmen die Auseinandersetzungen vor Ort die Form eines ethnischen Konflikts an. Viele nicht direkt von den Kampfhandlungen betroffene Angehörige der ruandischstämmigen Bevölkerung sind unter den Flüchtlingen. Es gibt Befürchtungen, dass der eigentlich auf Süd-Kivu begrenzte Vorstoß der Regierungsarmee auf Nord-Kivu übergreift und zu einem größeren Krieg eskaliert. Während die Regierungsarmee in Süd-Kivu gemeinsam mit den Mayi-Mayi gegen ruandischstämmige Dissidenten kämpft, steht sie in Nord-Kivu unter ruandischstämmigem Kommando und liegt ihrerseits mit den Mayi-Mayi in Konflikt. Diese sind bereits in Nord-Kivu in die Offensive gegangen und eroberten die Stadt Walikale. Auch dort ist der ruandischstämmige Teil der Bevölkerung auf der Flucht. Ein italienisches Hilfswerk meldete aus einem einzigen Waldgebiet nahe Walikale 25.000 eingekesselte Vertriebene. Auch in der Provinz Ituri im Osten Kongos flammten neue Unruhen auf. Bei einem Massaker nahe der Provinzhauptstadt Bunia sollen 16 Menschen ums Leben gekommen und knapp 100 Häuser abgebrannt sein. chw