„Zuwanderer in der Stadt. Empfehlungen zur stadträumlichen Integrationspolitik"
Da die „Integrationsmaschine" Arbeitsmarkt in Zeiten wachsender Arbeitslosigkeit immer weniger greift, gewinnt das Wohnquartier als Lebensmittelpunkt für die Integration von Zuwanderern an Bedeutung. Wie können Kommunen und Wohnungsunternehmen die sozialräumliche Integration von Migranten fördern?
Das praxisorientierte Forschungsprojekt „Zuwanderer in der Stadt" geht dieser Frage nach. Es wird von der Schader-Stiftung, dem GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, dem Deutschen Städtetag (DST), dem Deutschen Institut für Urbanistik (difu) und dem Institut für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung (InWIS) durchgeführt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Programm „Bauen und Wohnen" gefördert.
Im Rahmen des Verbundvorhabens hat am 11. Februar 2005 eine Tagung in Berlin stattgefunden, auf der vor etwa 350 Teilnehmern die „Empfehlungen zur stadträumlichen Integrationspolitik" vorgestellt und diskutiert wurden. Die Empfehlungen waren im Rahmen des Projektes von einem Expertenforum aus Stadtsoziologen, Führungskräften aus Wohnungsunternehmen, Verantwortlichen aus Stadtentwicklungs- und Wohnungsämtern sowie migrationspolitischen Fachleuten erarbeitet worden. Zu einzelnen Forschungsfragen waren Expertisen von externen Autoren in Auftrag gegeben worden, die zeitgleich mit den „Empfehlungen zur stadträumlichen Integrationspolitik" und der von der Schader-Stiftung in Auftrag gegebenen Studie „Ethnische Ökonomie" veröffentlicht wurden.
Mit seinen Empfehlungen distanziert sich das Expertenforum von der Vorstellung, dass die räumliche „Mischung" von Zuwanderern mit Einheimischen im Wohnquartier ein hinreichendes Instrument der Integration sei. Stattdessen gewinnen so genannte weiche Faktoren wie Bildung, Spracherwerb und Migranten-Ökonomie sowie Partizipation vor Ort an Bedeutung für die Integration. Voraussetzung für wirkungsvolle Integrationspolitik sind nach Auffassung der Experten ganzheitlich angelegte und ämterübergreifende Konzepte und Organisationsstrukturen. In ihren Empfehlungen weisen die Experten auf integrationsfördernde Maßnahmen hin. Dazu zählt u.a. die Öffnung der Schulen zum Stadtteil, so dass dort neben dem Unterricht für Kinder auch Bildungs- und Begegnungsmöglichkeiten für Erwachsene angeboten werden.
Wohnungsunternehmen können, so die Experten, die Integrationsfähigkeit von Quartieren dadurch unterstützen, dass sie die Wohnumfeldbedingungen für ein positives soziales Zusammenleben verbessern, Freiräume zur selbstorganisierten gemeinschaftlichen Nutzung durch die Bewohnerschaft bereitstellen und so die gute Nachbarschaft im Quartier fördern.
Die Empfehlungen sollen ab Februar 2005 von der zweiten Säule des Projektes, dem „Praxis-Netzwerk", erprobt werden, um vor Ort die Praxis der sozialräumlichen Integration zu überprüfen und weiterzuentwickeln. An diesem „Praxis-Netzwerk" beteiligen sich die Städte Berlin (Mitte), Essen, Frankfurt/Main, Hamburg, Hannover, Mannheim, München und Nürnberg. Sie werden wissenschaftlich begleitet durch die Verbundpartner difu und InWIS. Das Projekt „Zuwanderer in der Stadt" wird in der nun beginnenden Praxisphase besonders den Austausch unter den Städten des „Praxis-Netzwerks" mit dem Ziel organisieren, dass jede beteiligte Stadt von den Erfahrungen der anderen profitieren kann. Am Ende des Projekts soll ein Maßnahmenkatalog stehen, der in der kommunalen Praxis erprobt wurde und eine gewisse Allgemeingültigkeit beanspruchen kann. Eine weitere Dokumentation ist für Juni 2006 geplant.
Eine Art „Handlungsanleitung zum Integrationserfolg" können die Empfehlungen nicht sein - dafür sind die Ausgangsbedingungen in den Kommunen und in den Wohnquartieren vor Ort zu unterschiedlich. Im Übrigen haben die Empfehlungen auch die Funktion, bereits laufende, Erfolg versprechende Maßnahmen in den Kommunen zu bekräftigen und ihre weitere Verbreitung anzustoßen. Sybille Münch, Projektgeschäftsstelle „Zuwanderer in der Stadt", Schader-Stiftung
Die „Empfehlungen zur stadträumlichen Integrationspolitik"
können als PDF-Dokument abgerufen werden unter: www.schader-
Online-Bestellung des Expertisen-Sammelbands sowie der Studie zur Ethnischen
Ökonomie: www.schader-
Aktuelle Informationen zum Projekt finden sich unter:
www.zuwanderer-