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Ausgabe 3
April 2005
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UNO: Neue Weltbevölkerungsprognosen veröffentlicht

Ende Februar 2005 hat die Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen (UN Population Division) die 19. Revision von globalen demographischen Schätzungen und Projektionen veröffentlicht. In Abständen von zwei Jahren revidiert die Bevölkerungsabteilung ihre mittelfristigen Bevölkerungsprojektionen für die Länder der Welt auf der Grundlage neuer Volkszählungen, weiterer Untersuchungen und veränderter Annahmen für die Zukunft.

Die öffentliche Wahrnehmung der Ergebnisse von Weltbevölkerungsprognosen konzentrierte sich bisher oft sehr stark auf die Größe der Weltbevölkerung im Jahr 2050. Nach der neuesten UN-Prognose werden zu diesem Zeitpunkt im mittleren Szenario 9,1 Mrd. Menschen leben. Dies bedeutet eine leichte Korrektur nach oben (+2%) gegenüber der letzten Prognose aus dem Jahr 2002 (8,9 Mrd.). Vor etwas mehr als 10 Jahren lagen die UN-Prognosen für 2050 noch bei über 10 Mrd. In den letzten Jahren bewegten sie sich eher um 9 Mrd. Diese Abweichungen sind das Ergebnis veränderter Schätzungen zur aktuellen Bevölkerungsgröße und neuer Einschätzungen zur zukünftigen Entwicklung von Fertilität und Mortalität, also von Geburtenentwicklung und Sterblichkeit.

Die aktuelle UN-Vorausschätzung ist die erste Bewertung, welche die Ergebnisse der 2000er Runde von Volkszählungen berücksichtigt. In einigen Entwicklungsländern musste die aktuelle Bevölkerungsgröße in den letzten zwei Jahren zum Teil beträchtlich korrigiert werden. Für Somalia hatte man vor zwei Jahren für das Jahr 2005 eine Bevölkerungsgröße von 10,7 Mio. Einwohnern erwartet, die heutige Schätzung geht von nur 8,2 Mio. Einwohnern aus (-23%). Auch in Georgien, Bhutan und Oman musste die aktuelle Schätzung um mehr als 10% nach unten korrigiert werden. Dem stehen allerdings einige Länder gegenüber, deren Bevölkerung nach heutigem Wissen deutlich größer ist, als bisher angenommen. Für Afghanistan ging man vor zwei Jahren für Mitte 2005 nur von 25,9 Mio. Einwohnern aus, heute von 29,8 Mio. (+15%).

Die mittelfristigen Projektionen bis 2050 auf nationaler Ebene weichen wesentlich stärker von bisherigen Prognosen ab. Die deutlichste Revision der Prognose für einen Flächenstaat wurde für Kenia getroffen: Hier hatte die Prognose von 2002 für das Jahr 2050 eine Bevölkerung von 44 Mio. Einwohnern erwartet, dieser Wert wurde in der aktuellen Prognose um fast 90% nach oben revidiert, auf 83 Mio. Einwohner. Grund für diese und ähnliche Korrekturen für Simbabwe, Uganda, Sambia, Südafrika, Mosambik und Botswana ist die veränderte Bewertung des langfristigen demographischen Einflusses von HIV/AIDS. Über 39 Mio. Menschen leben heute mit dem HI-Virus, 4,9 Mio. hatten sich allein 2004 neu infiziert. UNAIDS berichtet von derzeit ca. 3,1 Mio. Menschen, die jährlich an AIDS sterben, und erwartet in einer aktuellen Studie allein für Afrika zwischen 67 und 83 Mio. Todesfälle von 1980-2025. Zwei Entwicklungen haben die Bevölkerungsabteilung der UN bewogen, die erwarteten Verluste durch AIDS heute etwas geringer anzusetzen. Zum einen konnten bestehende Schätzungen zum Grad der Verbreitung mit dem HI-Virus (Prävalenz) für einige Länder nach unten korrigiert werden. Erkennbare Verhaltensänderungen geben

Anlass zur Hoffnung, dass die Chancen für eine Ausbreitung des Virus zukünftig verringert werden können. Zum anderen tragen die neuen Prognosen den aktuellen Anstrengungen zur Verbreitung der antiretroviralen Therapien auch in Entwicklungsländern Rechnung. Gegenwärtig nehmen weltweit schätzungsweise 3 Mio. AIDS-Patienten diese lebensverlängernden Medikamente ein. Der verbesserte Zugang zu diesen Medikamenten auch in Entwicklungsländern wird nach Ansicht der Bevölkerungsabteilung die AIDS-Mortalität verringern.

Die aktuelle Studie der Vereinten Nationen geht auch ausführlich auf die zunehmende Bedeutung der demographischen Alterung für fast alle Länder der Welt ein. Heute gibt es nur 11 entwickelte Staaten, in denen die Hälfte der Bevölkerung älter als 40 Jahre ist, darunter auch Deutschland. Um 2050 werden weltweit 90 Länder zu dieser Gruppe gehören, darunter auch 46 Entwicklungsländer. Eine wichtige Ursache der demographischen Alterung -den Rückgang der Fertilität -schätzen die Experten als weltweites Phänomen ein. Mitte dieses Jahrhunderts erwarten sie, dass nur noch in 41 Ländern das so genannte Ersatzniveau der Fertilität (2,1 Kinder je Frau) erreicht wird. Demgegenüber werden 138 Länder dieses Fertilitätsniveau, das den Ersatz einer Elterngeneration durch eine mindestens gleich große Kindergeneration bedeutet, nicht erreichen. Prof. Ralf E. Ulrich, Direktor des Instituts für Bevölkerungs- und Gesundheitsforschung, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld

Die Bevölkerungsabteilung hat die wichtigsten Ergebnisse vorab auf ihrer Website bereitgestellt:
www.un.org/esa/population/publications/WPP2004/2004WPPHighlightsFINAL.pdf
Auch die Ergebnisse für einzelne Länder können online abgefragt werden:
esa.un.org/unpp

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