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Ausgabe 5
Juni 2005
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Deutschland: Selbständige nichtdeutscher Herkunft

Nach einer im April veröffentlichten Studie hat die Zahl der ausländischstämmigen Selbständigen stark zugenommen. Unternehmen, die von Personen mit Migrationshintergrund gegründet wurden, beschäftigen etwa 1 Mio. Arbeitskräfte.

[Grafik]

Die im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) vom Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim (IMF) durchgeführte Studie „Die Bedeutung der ethnischen Ökonomie in Deutschland" untersucht zwei Fragenkomplexe: zum einen die Wirtschaftskraft und das Potenzial der so genannten „ethnischen Ökonomie", zum anderen die Triebkräfte ethnischen Unternehmertums, also die Anreize für Ausländer, sich selbständig zu machen. Die Studie konzentriert sich auf Selbständige griechischer, italienischer und türkischer Herkunft, da diese quantitativ die wichtigsten Gruppen sind. Berücksichtigt wurden dabei nicht nur Bürger mit ausländischem Pass, sondern auch Migranten, deren Eltern nicht-deutscher Herkunft sind, die aber durch Geburt oder Einbürgerung die deutsche Staatsangehörigkeit erlangten.

Wirtschaftskraft: Die Studie dokumentiert eine starke Zunahme ausländischstämmiger Selbständigkeit seit Anfang der 1990er Jahre. Im Jahr 2003 wurden insgesamt ca. 286.000 ausländische Selbständige gezählt. Dies entspricht einem Anstieg um rund 111.000 bzw. 63 %. Die größten Gruppen sind Italiener (46.000), gefolgt von Türken (43.000), Griechen (26.000), Ex-Jugoslawen und Österreichern (jeweils 21.000).

Berücksichtigt man zudem eingebürgerte Selbständige, bildeten Türken mit 60.500 die größte Gruppe, vor Italienern (49.500) und Griechen (27.500). Die Selbständigenquote ist dagegen bei Griechen mit 15,5 % am höchsten. Bei Italienern beträgt sie 13,1 %, bei Türken nur 5,8 %. Bei deutschen Erwerbstätigen beträgt sie knapp 10 %. Die Studie schätzt die Anzahl der von ausländischstämmigen Selbständigen geschaffenen Arbeitsplätze auf 940.000 bis 1.380.000. Dies entspricht 3-4 % aller Arbeitsplätze in der Bundesrepublik.

Die Unternehmen von Selbständigen mit und ohne Migrationshintergrund unterscheiden sich bei bestimmten Merkmalen. So beschäftigen Erstere durchschnittlich nur etwa halb so viele Personen (4 bis 5) wie Unternehmen von Deutschen. Kennzeichnend für die ethnische Ökonomie ist ferner die Konzentration auf die Branchen Gastgewerbe und Handel. Jeweils über die Hälfte aller griechisch- und italienischstämmigen Selbständigen betätigen sich als Gastronomen. Fast jeder dritte türkischstämmige Selbständige arbeitet im Handel. Für diese Branchen sind relativ niedrige Zugangshürden und ein hoher Wettbewerb charakteristisch. Die Wochenarbeitszeiten von Selbständigen mit Migrationshintergrund liegen daher im Schnitt zwischen 3 bis 6 Stunden über denen von deutschen Selbständigen. Unterrepräsentiert sind die ausländischen Selbständigen im Handwerk und bei den wissensintensiven Dienstleistungen (z. B. Rechtsberatung, Wirtschaftsprüfung, Markt- und Meinungsforschung). Weitere Unterschiede sind der niedrigere Frauenanteil (29 % bei deutschen, 24 % bei griechischen, 20 % bei italienischen und 19 % bei türkischen Selbständigen) und der höhere Anteil unentgeltlich mithelfender Familienmitglieder.

Triebkräfte: Die Studie stellt insgesamt eine Dominanz so genannter positiver Anreize (Pull-Faktoren) fest, wie der Wunsch nach höherem Einkommen und Prestige. Die hohe Arbeitslosigkeit, vor allem bei den türkischstämmigen Unternehmensgründern, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Entscheidung zur Selbständigkeit. Ein weiterer Faktor ist das Bildungsniveau. Es spielt nach der Studie eine entscheidende Rolle bei der Unternehmensgründung. „In der Tendenz steigt bei allen Gruppen mit zunehmendem Bildungsabschluss auch die Selbständigenquote, wobei das Fehlen eines Abschlusses einen merklich negativen Einfluss und ein Hochschulabschluss einen deutlich positiven Einfluss nimmt", heißt es in der Studie.

Empfehlungen: Abschließend gibt die Studie eine Reihe von Empfehlungen. Unter anderem fordern die Autoren einen erleichterten Zugang in die berufliche Selbständigkeit, vor allem für Höherqualifizierte und besonders für Bürger aus Nicht-EU-Staaten. Ferner fordern sie Verbesserungen beim Informations- und Beratungsangebot für ausländischstämmige Selbständige.

Bei der Vorstellung der Studie sagte Rezzo Schlauch (Bündnis 90/Die Grünen), parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit: „Die gesellschaftliche und ökonomische Bedeutung der Migrantinnen und Migranten wird leider in Deutschland noch immer unterschätzt oder überhaupt nicht zur Kenntnis genommen." Die Bundesregierung unterstütze die Existenzgründung von Menschen mit Migrationshintergrund. „Ausländischstämmige Unternehmerinnen und Unternehmer sichern rund 1 Mio. Arbeitsplätze bei uns. Dies ist mir deutlich lieber, als wenn Arbeitsplätze ins Ausland abwandern", so Schlauch weiter. me

Die Kurzfassung der Studie ist online abrufbar unter:
www.ifm.uni-mannheim.de/unter/fsb/pdf/Ethnische_Oekonomie_Kurzfassung.pdf

Weiterführende Literatur:
Ulla-Kristina Schuleri-Hartje, Holger Floeting, Bettina Reimann: Ethnische Ökonomie. Integrationsfaktor und Integrationsmaßstab. 2005, Darmstadt, Berlin. www.schader-stiftung.de/wohn_wandel/499.php

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