Nach den blutigen Unruhen in Usbekistan im Mai fliehen trotz teilweise gesperrter Grenzen Menschen ins Nachbarland Kirgisien. Schätzungen gehen von mehreren tausend Personen aus.
Die Flucht ins Nachbarland begann am 13. Mai mit dem niedergeschlagenen Aufstand in der im Osten Usbekistans gelegenen Stadt Andischan. Die usbekische Regierung ließ an diesem Tag das Feuer auf rund 30.000 Demonstranten eröffnen. Dabei soll es bis zu 500 Todesopfer gegeben haben. In der Stadt Pachtabad sollen 200 weitere Demonstranten erschossen worden sein.
Die Flüchtlingslager in Kirgisien sind vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) provisorisch eingerichtet; bewacht werden sie von kirgisischen Soldaten. Die humanitäre Lage wird momentan als stabil bewertet. Es mehren sich allerdings Hinweise, dass die usbekische Regierung Druck auf zurückgebliebene Familienmitglieder ausübt, damit diese die Flüchtlinge zur Rückkehr bewegen. Unter ihnen sollen sich zahlreiche Personen befinden, die vom autoritären Regime um den Machthaber Islam Karimow (NDPU) verdächtigt werden, für die Aufstände verantwortlich zu sein. Die Regierung in Taschkent vermutet einen islamistischen Hintergrund. Berichten zufolge wurden bereits einzelne Flüchtlinge nach Usbekistan zurückgeschickt. Die US-Regierung forderte Kirgisien auf, keinesfalls Asylbewerber auszuliefern.
UN-Generalsekretär Kofi Annan appellierte an alle Beteiligten, Zurückhaltung zu üben. Er habe die Konfliktparteien aufgefordert, auf den Einsatz von Gewalt zu verzichten und mit dem an die usbekisch-kirgisische Grenze entsandten UN-Notfallteam zusammenzuarbeiten. Die internationale Kritik am usbekischen Regime wächst.
Im bevölkerungsreichsten Staat Zentralasiens (25 Mio. Einwohner) haben sich seit der Unabhängigkeit 1990 islamische Rebellengruppen im Osten des Landes formiert: die Islamische Bewegung Usbekistans (IMU) und die Untergrundbewegung Hizb ut-Tahrir. Die IMU hatte in Afghanistan und in Tadschikistan eine Mujahedin-Armee unterhalten. Hizb ut-Tahrir propagiert die Gründung eines alle zentralasiatische Länder umfassenden Kalifats. chw
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