Laut einer aktuellen Studie gibt es keine Anhaltspunkte für eine massenhafte Elitenabwanderung aus Deutschland. Zwar gingen immer mehr hochqualifizierte Deutsche zum Arbeiten in die USA. Die am 1. August vorgestellte Studie kommt aber zu dem Ergebnis, dass von einem so genannten Brain-Drain nicht die Rede sein könne.
Die Autoren der Studie, Claudia Diehl vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Wiesbaden) und David Dixon vom Migration Policy Institute (Washington), geben zu bedenken, dass der Anstieg v. a. auf einer zunehmenden Zahl temporärer Migranten basiere. Die permanente Auswanderung spiele nur eine untergeordnete Rolle. Diehl und Dixon widersprechen der These vom Brain-Drain, nach der Spitzenkräfte aufgrund besserer Verdienst- oder Forschungsmöglichkeiten von Deutschland in die USA auswandern. Ein Großteil der hochqualifizierten Arbeitskräfte kehre wieder nach Deutschland zurück, so die Studie.
Die Autoren untersuchten ausgewählte Kategorien von temporären und permanenten Migranten deutscher Herkunft in den USA. Der Untersuchungszeitraum umfasst die Jahre 1990 bis 2002. Im Fall der temporären Visa ist v. a. die Zahl der ausgestellten Austauschvisa im Bildungs- und Wissenschaftsbereich (J-1, 1990: 17.000; 2000: 26.000) gestiegen.
Weitere wichtige Gruppen sind Visa-Empfänger zur innerbetrieblichen Versetzung über Landesgrenzen hinweg („transferees", L-1-Visa, 2000: 7.000) sowie H-1B-Arbeitsvisa für Experten der Informationstechnologie (2001: 4.500; vgl. MuB 8/00; 4/01). Während 1990 insgesamt etwa 25.000 temporäre Visa für Hochqualifizierte aus Deutschland vergeben wurden, stieg diese Zahl im Jahr 2000 auf rund 40.000 Personen an.
Hier ist außerdem zu beachten, dass diese Ziffern auch Familienangehörige beinhalten. Bei den untersuchten Visa-Kategorien tendieren besonders Inhaber von H-1B-Visa zu einer permanenten Übersiedlung in die USA. Die weitaus größeren Gruppen der Inhaber von L-1- und J-1-Visa tendieren eher zu einer Rückkehr nach Deutschland.
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) erklärte in einer Pressemitteilung, dass Szenarien eines Exodus von hochqualifizierten Deutschen nicht der Realität entsprächen. Die Studie zeige, „dass der Pessimismus, mit dem wir Deutschen unser Land betrachten, nicht gerechtfertigt ist. Die Fakten sind deutlich positiver, als die Stimmung in Deutschland glauben macht."
Daten des Statistischen Bundesamts zufolge hat die Gesamtzahl der Abwanderungen von Deutschen ins Ausland im Jahr 2004 einen vorläufigen Höhepunkt erreicht (150.667). Der Wanderungssaldo von Deutschen ist zwar weiterhin positiv (+27.326), jedoch weitaus geringer als in vergangenen Jahren (1994: +166.757; 1999: +83.740). sta
Weitere Informationen:
www.migrationinformation.org/Feature/display.cfm?id=328
www.bmi.bund.de/