Zuwanderung aus dem südlichen und östlichen Mittelmeerraum ist seit Jahrzehnten ein zentrales Thema bei der Betrachtung von Migrationsströmen in die Europäische Union. Damit beschäftigt sich der „Mediterranean Migration - 2005 Report“. Nur wenige Studien konzentrieren sich bisher auf die Ursachen und Auswirkungen dieser Zuwanderungen in den Herkunfts- und zunehmend auch Transitländern des Maghrebs (v. a. Länder Tunesien, Algerien und Marokko), des Maschreks (Ägypten, Libanon, Jordanien und Syrien) und der Türkei. Noch seltener wird umfangreiches Datenmaterial aus diesen Staaten der europäischen Öffentlichkeit präsentiert.
Der im Oktober 2005 erstmals veröffentlichte und künftig jährlich erscheinende Mediterrane Migrationsreport schließt nun diese Lücke. Finanziert durch das MEDA-Programm der EU-Kommission, wurde der Report von einem internationalen Expertenteam verfasst, welches sich aus Wissenschaftlern der südlichen und östlichen Mittelmeerstaaten sowie des am Europäischen Universitätsinstitut Florenz angesiedelten Euro-Mediterranean Consortium for Applied Research on International Migration (CARIM) zusammensetzt.
Zunächst bietet der Report einen Überblick über aktuelle Entwicklungen der Migrationsprozesse im Untersuchungsraum. Dabei gehen die Autoren v. a. auf Probleme bei der statistischen Erfassung von Migration sowie der Vergleichbarkeit von Daten aus unterschiedlichen Quellen und unter Berücksichtigung verschiedener Definitionen ein. Das Übersichtskapitel betrachtet ebenso den Bildungsstand und sonstige Qualifikationen von Migranten aus den „Med-MENA“-Staaten (Mediterranean and Northern Africa). Dem Bericht zufolge sind je nach Zählweise 10 bis 15 Mio. Personen aus den Med-MENA-Staaten Auswanderer der ersten Generation. Dies entspräche rund 4,8 % der Gesamtbevölkerung aller Med-MENA-Staaten von etwa 260 Mio. Personen (2005). Dabei emigrieren überwiegend Staatsbürger Algeriens, Marokkos, Tunesiens und der Türkei nach Europa (80-90%), Ägypter und Palästinenser hingegen v. a. in die arabischen Ölstaaten, mehr als die Hälfte der Libanesen nach Übersee.
Dem regionalen Gesamtbild folgen Länderkapitel zu jedem einzelnen Med-MENA-Staat (Algerien, Ägypten, Israel, Jordanien, Libanon, Marokko, Palästina, Syrien, Tunesien und Türkei), wobei je zwei bis vier Artikel zur demographischen, ökonomischen, rechtlichen und politischen Dimension von Migration Stellung beziehen. Sämtliche Artikel basieren auf gemeinsamen Leitlinien: es wird zwischen aktuellen Migrationsströmen und auf früheren Strömen basierenden Diasporas unterschieden, ebenso zwischen Flucht, Zuwanderung aus ökonomischen Motiven und Familienzusammenführung sowie zwischen legaler und illegaler Migration. Zusätzlich dazu setzen die Autoren jeweils länderspezifische Prioritäten. sta
Fargues, Philippe (Hrsg.): „Mediterranean
Migration - 2005 Report“, European University Institute (Florenz)
und EU-Kommission, 407 Seiten, Brüssel / Florenz 2005.
Online abrufbar unter: www.carim.org/Publications/AR2005CARIM.pdf