In der australischen Metropole Sydney ist es im Dezember zu rassistisch motivierten Ausschreitungen gekommen. Die Gewalt ging von jungen weißen Männern aus und richtete sich gegen arabischstämmige Migranten, die ihrerseits mit Gewalt reagierten. Dutzende Personen wurden bei den Krawallen verletzt.
Am 11. Dezember nahm die Gewalt ihren Ausgang am Strand von Cronulla im südlichen Sydney. Dort soll es zu einem Übergriff arabischstämmiger Migranten auf Rettungsschwimmer gekommen sein. Außerdem wurden Belästigungen von badenden Frauen durch arabischstämmige Jugendliche berichtet. Daraufhin reagierte die örtliche rechtsradikale Szene und mobilisierte rund 5.000 Anhänger. Über rechtslastige Radiosender, E-Mail und SMS funktionierte die Verständigung binnen weniger Stunden. Es kam zu gewalttätigen Übergriffen der stark alkoholisierten Randalierer auf arabischstämmige Passanten. Die Männer demolierten Autos und skandierten rechte Parolen.
In den folgenden Nächten kam es zur Gegengewalt seitens arabischstämmiger Bewohner Sydneys. Mit Baseballschlägern schlugen sie ebenfalls zahlreiche Autos kaputt und verletzten Anwohner in mehreren Stadtteilen. Zudem wurden Anschläge auf Geschäfte und Kirchen verübt; ein Gotteshaus ging dabei in Flammen auf. Wechselseitig wurden über mehrere Tage weitere Ausschreitungen provoziert.
Auch an anderen Stränden Sydneys kam es zu Spannungen. Die Polizeipräsenz wurde großflächig erhöht und über Weihnachten hinaus verlängert. Bis Ende Januar blieben etwa 800 Ordnungshüter an den kritischen Strandabschnitten im Sondereinsatz. Das Parlament des Bundesstaates New South Wales verfügte im Eilverfahren eine Ausweitung der polizeilichen Befugnisse. Danach dürfen Beamte nun bei Krawallen Stadtviertel abriegeln, Autos und Handys beschlagnahmen, Gaststätten schließen sowie ein Alkoholverbot verhängen. Zudem sollen Randalierer künftig mit bis zu 15 Jahren Gefängnis bestraft werden können. Der Premierminister von New South Wales, Morris Iemma (Labor), verteidigte die Maßnahmen: „Ich werde nicht erlauben, dass Sydneys Ruf als tolerante, lebhafte, internationale Stadt von diesen Kriminellen beschädigt wird.“
Vorurteile in der Bevölkerung gegenüber den 300.000 Muslimen in Australien (weniger als 2 % der Gesamtbevölkerung) waren in der Vergangenheit durch mehrere Umstände geschürt worden. Im November wurden Terror-Anschläge mutmaßlicher Islamisten in Sydney und Melbourne vereitelt. Zudem gilt die rigide Haltung des konservativen Premierministers John Howard (Liberale) in Zuwanderungsfragen als ein Katalysator für Fremdenfeindlichkeit. Howard wird seit Beginn seiner mittlerweile zehnjährigen Amtszeit vorgeworfen, die Angst vor Fremden zu fördern und politisch für sich auszunutzen (vgl. MuB 1/00, 1/01, 7/01, 8/01, 3/02). Howard selbst bestritt nach den Krawallen die Existenz eines „unterschwelligen Rassismus“ in Australien vehement. chw
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