Italien: UNHCR-Büro auf Lampedusa
Seit Anfang März gibt es ein Büro des UN-Flüchtlingshochkommissariats
(UNHCR) auf der italienischen Insel Lampedusa. Ankommende Flüchtlinge sollen
dort über ihre Rechte informiert werden. Die italienischen Behörden
hatten bisher den Zugang zu den Flüchtlingen verweigert. Lampedusa ist
eine der am meisten frequentierten europäischen Anlaufstellen für
Flüchtlinge aus Afrika und dem arabischen Raum (vgl. MuB 8/04;
6/05;
1/06).
Spanien: Wechsel der Migrationsrouten
Nach der Verstärkung des Grenzschutzes in den spanischen Exklaven Ceuta
und Melilla im Herbst 2005 (vgl. MuB 9/05)
haben sich die Kanarischen Inseln zur Haupteinreiseregion für illegale
Einwanderer entwickelt. In den ersten drei Monaten des Jahres 2006 sind insgesamt
über 3.000 Migranten auf den Kanaren angekommen. Im Vergleichszeitraum
des Vorjahres waren es lediglich 850. Viele der Boote legten von der mauretanischen
Küste ab, da die marokkanischen Behörden auf Druck der EU und Spaniens
ihre Küsten inzwischen besser überwachen. Die mauretanische Regierung
bat indes die EU um finanzielle und logistische Hilfe. Nach Schätzungen
des mauretanischen Roten Halbmonds sind seit November 2005 etwa 1.300 Migranten
bei dem Versuch der Überfahrt auf die Kanaren ums Leben gekommen.
EU-Parlament will gegen Asyl-Liste klagen
Das Europaparlament will gegen die von den Innenministern beschlossene Liste
sicherer Herkunftsländer von Asylbewerbern vor dem EU-Gerichtshof klagen.
Diese Entscheidung traf der Rechtsausschuss des Parlaments. Die EU-Abgeordneten
hatten bisher vergeblich ein Mitspracherecht bei der Erstellung der Liste verlangt.
Nach der im Dezember beschlossenen EU-Asylverfahrensrichtlinie dürfen Asylbewerber
aus einem „sicheren Herkunftsland“ im Schnellverfahren an der Grenze
abgewiesen werden. Bisher haben die EU-Innenminister die Erstellung der Liste
sicherer Herkunfts- und Drittstaaten zwar beschlossen, sich aber noch nicht
auf konkrete Länder geeinigt (vgl. MuB 8/05,
1/06).
www.europarl.eu.int/
Niederlande: Einwanderer gründen Partei
Im März haben Einwanderer in den Niederlanden eine eigene Partei gegründet.
Die Partij vóór Allochtone Nederlanders (PAN) fordert die Abschaffung
der kürzlich eingeführten Tests für Einwanderer (vgl. MuB 2/06).
Dafür schlägt PAN vor, die Bildungsangebote für Neuankömmlinge
zu verbessern. Zudem sollen muslimische Frauen das Kopftuch überall tragen
dürfen und Asylsuchende, die länger als fünf Jahre im Land sind,
ein Bleiberecht erhalten. Ferner sollen Schuluniformen eingeführt werden.
Bei der offiziellen Vorstellung des Parteiprogramms am 22. März kündigten
Einwanderer aus dem Iran, der Türkei, Surinam und Pakistan an, sich in
die Partei einbringen zu wollen. Die Parteigründung kann als Reaktion auf
das in den letzten Jahren zunehmend einwanderungsfeindliche Klima in den Niederlanden
interpretiert werden (vgl. MuB 8/02,
2/04,
5/05).
Einwanderer machen derzeit fast 19 % der niederländischen Bevölkerung
aus.
www.partijvoorallochtonenederlanders.nl