Spanien: Bleiberecht wegen Genitalverstümmelung
Der Nationale Gerichtshof Spaniens gewährte einer abgelehnten nigerianischen
Asylbewerberin das Bleiberecht wegen Genitalverstümmelung. Die Frau musste
sich nach einer Zwangsheirat auf Druck ihrer Familie einer Beschneidung unterziehen.
Sie floh daraufhin nach Spanien, wo sie Asyl beantragte. Die spanische Asylbehörde
lehnte ihren Antrag mit der Begründung ab, dass eine Beschneidung kein
anerkannter Asylgrund sei. Der Nationale Gerichtshof urteilte nun, dass der
Frau eine Rückkehr in ihre Heimat nicht zuzumuten sei, da die Beschneidung
eine „brutale Verletzung“ darstelle. Die Flüchtlingshilfsorganisation
CEAR kündigte an, nun vor dem Obersten Gerichtshof für die Nigerianerin
eine Anerkennung als Asylberechtigte erreichen zu wollen.
www.cear.es
Großbritannien: Neues Einwanderungsgesetz
Das britische Abgeordnetenhaus hat Ende März ein neues Einwanderungsgesetz
verabschiedet. Es erschwert den Zuzug ungelernter Arbeiter von außerhalb
der EU drastisch. Ähnlich wie in Australien, Kanada und Neuseeland werden
Einwanderungs-Kandidaten künftig nach einem Punktesystem bewertet. Dabei
werden Kriterien wie Alter, Bildung und Beruf berücksichtigt. Vertreter
gefragter Berufsgruppen wie Unternehmer, Wissenschaftler, Mediziner, Ingenieure,
Informatiker und Finanzfachkräfte dürfen ohne konkretes Jobangebot
nach Großbritannien kommen. Krankenpfleger, Lehrer, Buchhalter und Vertreter
ähnlicher Mittelschicht-Berufe können nur einwandern, wenn Bedarf
in dem jeweiligen Bereich besteht. Ein Stellenangebot garantiert ihnen jedoch
noch nicht das Recht auf Einwanderung.
www.parliament.uk
Schweiz: Referenden gegen Asyl- und Ausländergesetz
Vertreter von etwa 30 Organisationen reichten Anfang April bei der Schweizer
Bundeskanzlei insgesamt rund 164.000 Unterschriften ein, um Referenden gegen
Restriktionen im Asyl- und Ausländerrecht zu erwirken. Für ein Referendum
gegen das revidierte Asylgesetz (vgl. MuB 9/05)
wurden 90.652 gültige Unterschriften gesammelt, für eine Abstimmung
gegen das neue Ausländergesetz unterschrieben 73.800 Wahlberechtigte. Die
notwendige Mindestzahl lag bei 50.000 Unterschriften pro Referendum. Die Volksabstimmung
wird voraussichtlich am 24. September stattfinden.
www.doppelreferendum.ch
Italien: Minderjährige Zuwanderer besonders gefährdet
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International veröffentlichte einen
Bericht zur Situation von minderjährigen Migranten in Italien. Aufgrund
der mangelnden Transparenz der italienischen Behörden gebe es keine genauen
Zahlen. Der Organisation liegen aber Informationen über mindestens 891
Fälle inhaftierter minderjähriger Migranten vor. Die Dunkelziffer
schätzt die Organisation weitaus höher. Minderjährige seien aufgrund
ihres Alters und ihrer Schutzbedürftigkeit besonders von Menschenrechtsverletzungen
bedroht. In dem Bericht wirft Amnesty International den italienischen Behörden
vor, die UN-Kinderschutzkonvention nicht einzuhalten und fordert diese auf,
die Missstände zu beseitigen. Nach Angaben des UNHCR sind in Westeuropa
rund 100.000 Migrantenkinder und -jugendliche allein unterwegs.
Der Bericht ist zugänglich unter: web.amnesty.org/library/index/engeur300012006
Österreich: Menschenrechtsinstitut kritisiert Asylpolitik
In seinem Bericht über die Menschenrechtssituation in Österreich 2005
kritisiert das Ludwig-Boltzmann-Institut für Menschenrechte das seit Anfang
2006 geltende neue Ausländer- und Asylrecht. Bei der Vorstellung des Berichts
am 20. April in Wien sagte der Asylexperte des Instituts Alexander Lubich, Österreich
verfüge über die „schärfste und restriktivste Regelung
Europas“. Flüchtlinge seien in hohem Maße der Willkür
von Polizisten ausgeliefert. Auch die Zahl der Abschiebungen von Asylbewerbern
sei gestiegen. Das Innenministerium wies die Kritik zurück. Das neue Ausländergesetz
sei wichtig und richtig, es sei nicht das restriktivste Gesetz, sondern das
fairste und schnellste, sagte ein Sprecher des Ministeriums.
www.univie.ac.at/bim/php/bim/get.php?id=255
Malta: EU-Parlament fordert Änderung des europäischen
Asylrechts
Das Europäische Parlament (EP) hat auf seiner Sitzung vom 6. April eine
dringende Änderung der europäischen Asylpolitik zur Bewältigung
des Flüchtlingsproblems auf der Mittelmeerinsel Malta gefordert. Auf Malta
sind im vergangenen Jahr etwa 1.800 Flüchtlinge überwiegend aus Afrika
gelandet. Malta hat etwa 400.000 Einwohner. Die maltesische Regierung fühlt
sich überfordert und bat die EU um Hilfe. Das EP forderte daher eine Änderung
der so genannten Dublin-II-Verordnung. Diese regelt, dass Asylanträge im
EU-Land der ersten Ankunft eines Bewerbers bearbeitet werden müssen. Dieser
Grundsatz sei für Länder wie Malta „eine untragbare Belastung“,
hieß es in der mit großer Mehrheit angenommenen Entschließung.
Die EU sollte einen Mechanismus für eine „gerechtere Verteilung der
Asylbewerber auf die Mitgliedsländer“ festlegen.
www.europarl.eu.int