Nach Rebellenangriffen auf die Hauptstadt des Tschads N’Djamena Mitte April hat die dortige Regierung mit der Ausweisung der 200.000 Flüchtlinge aus der sudanesischen Krisenregion Darfur gedroht.
Als Frist für sein Ultimatum legte Tschads Präsident Idriss Déby Itno (Mouvement Patriotique du Salut) einen Zeitraum bis Ende Juni fest. Bis dahin solle die internationale Gemeinschaft entweder die Flüchtlinge in den Sudan zurückführen oder ein anderes Gastland für ihre Aufnahme ausfindig machen. Sprecher des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) wiesen die Drohung als „verantwortungslos“ zurück. Eine derartige Maßnahme bedeute eine schwere Menschenrechtsverletzung, so der UN-Beauftragte für den Sudan Jan Pronk. UN-Flüchtlingskommissar António Guterres erklärte nach einem Telefonat mit dem Präsidenten, dieser habe die Drohung zurückgenommen. Déby habe aber Sorge um die Sicherheit der Flüchtlinge und auch der internationalen Hilfsorganisationen in den Lagern geäußert. Er rief die Vereinten Nationen und die Afrikanische Union auf, militärisch zugunsten der Darfur-Flüchtlinge einzugreifen. Diese würden seitens des Sudan mit einem „Völkermord“ bedroht. Eine Sprecherin des UNHCR bestätigte, dass in den Flüchtlingslagern Rebellen unterwegs seien, die mit Geld und Gewalt versuchten, Kämpfer zu rekrutieren. Die rund 200.000 Flüchtlinge hatten nach massiven Unruhen und ethnischen Säuberungen in Darfur im Tschad Zuflucht gefunden (vgl. MuB 2/04, 1/05, 9/05).
Die Drohung der Regierung des Tschads kam als Reaktion auf einen Angriff von 600 Rebellen auf die Hauptstadt N’Djamena, den Regierungstruppen abwehrten. Die Rebellen kündigten an, ihre Angriffe bis zur Entmachtung Débys fortzusetzen. Sein Sieg bei den Wahlen Anfang Mai gilt jedoch als wahrscheinlich.
Der Staatspräsident, der seinem sudanesischen Amtskollegen Omar al-Baschir (RCC, Revolutionärer Kommandorat zur Errettung der Nation) die Unterstützung der tschadischen Rebellen vorwirft, brach inzwischen die diplomatischen Beziehungen zum Nachbarstaat ab. Außerdem zog er seine Delegation von den zur Zeit in Nigeria stattfindenden Friedensgesprächen über die Darfur-Provinz ab.
Im Südsudan kündigt sich indes eine Flüchtlingskatastrophe an. Tausende Bürgerkriegsflüchtlinge sind laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) vom Hungertod bedroht. Rund 4.500 Binnenflüchtlinge vom Volk der Dinka seien ohne Trinkwasser, Lebensmittel und medizinische Versorgung im Niemandsland zwischen der Krisenregion Darfur und ihrer Heimat im Südsudan gesichtet worden, so die IOM. Ihren Beobachtungen zufolge haben die Dinka nach dem Friedensschluss im Südsudan in Eigenregie versucht, in ihre Heimat zurückzukehren. chw
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www.unhcr.org
www.iom.int