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Ausgabe 4
Mai 2006
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UNHCR präsentiert Flüchtlingsreport

Der aktuelle Flüchtlingsbericht des UN-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) „The State of the world’s refugees - Human displacement in the new millenium“ präsentiert die UN-Statistiken von 2001 bis Oktober 2005. Darüber hinaus beschreibt der Bericht die Entwicklungen in der Flüchtlingspolitik der zurückliegenden Jahre und thematisiert die Herausforderungen und Aufgaben der Flüchtlingspolitik.

Flüchtlingsdaten: Mit weltweit rund 9,2 Mio. Flüchtlingen (Stand 1. Januar 2005) registrierte das UNHCR die niedrigste Zahl seit 25 Jahren. Für mehr als die Hälfte dieser Flüchtlinge scheint keine baldige Lösung ihrer Flüchtlingssituation in Sicht. Viele befinden sich bereits seit mindestens fünf Jahren außerhalb ihres Herkunftslandes. Erst im März hatte das UNHCR berichtet, dass auch die Asylzahlen so niedrig wie zuletzt in den 1980er Jahren waren (vgl. MuB 3/06). Die meisten der Flüchtlinge kommen weiterhin aus asiatischen (3,47 Mio.) und afrikanischen (3,02 Mio.) Ländern. Seit 2001 kamen die meisten Flüchtlinge aus Afghanistan (2 Mio.), dem Sudan (644.000) und Burundi (471.000), gefolgt von der Demokratischen Republik Kongo (371.000) und Somalia (303.000). Die höchsten Flüchtlingsbestände als Aufnahmeländer (Stand Ende 2004) hatten der Iran (1,05 Mio.), Pakistan (969.000), Deutschland (963.000), die USA (685.000) und Tansania (602.000). Insgesamt kümmert sich das UNHCR derzeit in mehr als 116 Ländern um circa 19,2 Mio. Menschen, darunter Flüchtlinge, Asylsuchende, zurückgekehrte Flüchtlinge, Vertriebene und zurückgekehrte Vertriebene sowie Staatenlos (siehe Tabelle).

Binnenvertriebene und -flüchtlinge: Nicht mehr zwischenstaatliche Konflikte, sondern vielmehr Bürgerkriege und innerstaatliche Unruhen verursachten heute Flucht und Vertreibung, so der Bericht. Diese riefen jedoch weniger grenzüberschreitende Fluchtbewegungen hervor, sondern führten eher zu Vertreibungen und Flucht innerhalb eines Landes, so UN-Flüchtlingshochkommissar António Guterres im Vorwort. „Menschen, die eigentlich Sicherheit in Nachbarländern suchen müssten, sind immer häufiger gezwungen, innerhalb ihres Heimatlandes zu bleiben. Zumeist müssen sie dort wie Flüchtlinge leben“, so Guterres weiter. 2005 waren dies allein im Kongo und Sudan rund 7,5 Mio. Menschen. Insgesamt wurde die Zahl für 2004 auf 25 Mio. geschätzt. Nur rund ein Fünftel dieser Personen stand unter UNHCR-Betreuung (5,6 Mio.). Im letzten Jahr hatte das UN-Hochkommissariat sein Mandat auf Binnenflüchtlinge und -vertriebene ausgedehnt. Der Bericht beschreibt daher auch die intensivierten Hilfsmaßnahmen für diese Personengruppe.

Einsatz in Krisengebieten: Das UNHCR und seine Mitarbeiter sehen sich zunehmend akuten Gefahren ausgesetzt. Immer öfter seien die Mitarbeiter des Kommissariats in Krisenregionen mit anhaltenden kriegerischen Konflikten im Einsatz. Laut Schätzungen seien in den letzten Jahren zwischen 22 und 41 Mitarbeiter von Entwicklungshilfeorganisationen jährlich bei Einsätzen ums Leben gekommen. In der Gewährleistung von Sicherheit und Unversehrtheit für Flüchtlinge und Personal liegt laut dem Bericht eine große Herausforderung.

Rückführungen: In den letzten 4 Jahren seien mindestens 5 Mio. Flüchtlinge und einige Millionen Binnenvertriebene in UNHCR-Betreuung in ihre Heimatregionen zurückgekehrt, so z. B. rund 3,4 Mio. Afghanen, etwa 1 Mio. Personen aus Bosnien und Herzegowina sowie einige hunderttausend Afrikaner aus Angola, Sierra Leone und dem Sudan. Auch in den kommenden Jahren wird dieser Trend voraussichtlich anhalten. Das UNHCR appellierte an die internationale Gemeinschaft, solche Regionen dennoch nicht zu vergessen bzw. als befriedet anzusehen. Vielmehr müsse die internationale Aufmerksamkeit den Prozessen des Wiederaufbaus, der politischen Transformation und nachhaltiger Entwicklungshilfe gelten.

Aufgaben und Ziele: In den vergangenen Jahren kam es zu starken Vermischungstendenzen von Migrations- und Flüchtlingsbewegungen. Diese aufzuheben ist die derzeit die größte Herausforderung des UNHCR: „In den letzten Jahren waren Fragen des Asyls und des Flüchtlingsschutzes eng mit dem Themenbereich der internationalen Migration verbunden - insbesondere mit der irregulären Migration. Um die beiden Bereiche zu trennen, bedarf es frühzeitiger Maßnahmen, damit festgestellt wird, wer tatsächlich internationalen Schutz braucht“, so Flüchtlingshochkommissar Guterres. Das UNHCR sei zwar nicht für (ir-)reguläre Migration zuständig, müsse diese aber allgemein im Auge behalten, um die Auswirkungen der Wanderungsbewegungen auf die Asylgesetzgebungen der Nationalstaaten im Blick zu haben, so der Bericht. Darüber hinaus beeinflussen auch die restriktiven Asylpolitiken und wachsende Intoleranz in den Aufnahmestaaten die Lebensbedingungen von Flüchtlingen negativ. Eine weitere Herausforderung bestehe in der Gewährleistung der notwendigen Hilfe für die etwa 25 Mio. Binnenflüchtlinge. Insgesamt gelte es, für regionale Probleme auch nach regionalen Lösungen zu suchen und die internationale Zusammenarbeit in der Flüchtlingshilfe zu verstärken, so der Bericht abschließend. th

Weitere Informationen:
www.unhcr.org (Download der pdf-Datei des Berichts möglich)
unhcr.de/unhcr.php/cat/18/aid/1371

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