Abschiebestopp für Flüchtlinge in Berlin
In Berlin gilt seit Ende Juli ein Abschiebestopp, von dem rund 14.000 in Berlin
lebende Flüchtlinge und abgelehnte Asylbewerber betroffen sind. Damit greift
Innensenator Ehrhart Körting (SPD) einer möglichen Altfallregelung
vor. Die Regelung gilt zunächst bis Ende des Jahres.
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte eine Altfallregelung
angekündigt. Sie soll für Flüchtlinge gelten, die bereits vor
Juni 2000 nach Deutschland kamen und hier seitdem mit mindestens einem minderjährigen
Kind leben. Die anderen Bundesländer wollen indes weiter abschieben und
vorerst die Beratungen der kommenden Innenministerkonferenz (IMK) zu dieser
Frage im November abwarten.
www.berlin.de/sen/inneres
Anerkennung irakischer Christen als Flüchtlinge
Der Rechtsstreit über die Anerkennung irakischer Christen als Flüchtlinge
in Deutschland geht weiter. Das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in Leipzig
hob in seinem Urteil (Az. 1 C 15.05) eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs
München auf, das nach der Entmachtung Saddam Husseins eine Verfolgung von
Christen im Irak als nicht mehr gegeben ansah. Das BVerwG verwies die Sache
zurück. Es hob hervor, dass eine Flüchtlingsanerkennung nach der Genfer
Konvention nur widerrufen werden dürfe, wenn sich die Verhältnisse
erheblich verändert hätten. Die Gefahr einer religiösen Verfolgung
der Christen im Irak sei aber weiterhin gegeben. Daher müsse der Verwaltungsgerichtshof
prüfen, ob eine Verfolgung irakischer Christen durch nichtstaatliche Akteure
eine Anerkennung als Flüchtlinge rechtfertigen könne. Acht Iraker,
die noch während des Regimes von Saddam Hussein als politische Flüchtlinge
anerkannt worden waren, hatten gegen die Aberkennung ihres Flüchtlingsstatus
geklagt.
http://www.bverwg.de
Vaterschaftsanerkennungen anfechtbar
Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) plant eine Gesetzesänderung, um
Vaterschaftsanerkennungen anfechten zu können. Dadurch soll verhindert
werden, dass ausreisepflichtige alleinerziehende Mütter durch eine Vaterschaftsanerkennung
eines deutschen Staatsbürgers eine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Laut
einer Erhebung der Innenministerkonferenz erhielten im Zeitraum zwischen April
2003 und März 2004 2.338 unverheiratete ausländische Mütter aufgrund
einer Vaterschaftsanerkennung durch einen deutschen Staatsbürger eine Aufenthaltserlaubnis.
Davon waren 1.694 Mütter zum Zeitpunkt der Vaterschaftsanerkennung ausreisepflichtig.
Das Justizministerium erklärte, darunter „sind auch Fälle von
Vaterschaft ohne Verantwortungsübernahme zu finden“. Allerdings wolle
man binationale Partnerschaften keinesfalls unter Generalverdacht stellen.
Änderungen am Gleichbehandlungsgesetz
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist am 18. August 2006 in Kraft
getreten (vgl. MuB 6/06).
Die Regierung hat bereits angekündigt, dass sie alsbald ein Änderungsgesetz
auf den Weg bringen wird, um „redaktionelle Ungenauigkeiten“ zu
beheben. Es herrschen darüber hinaus Zweifel an der Vereinbarkeit des Gesetzes
mit europäischem Recht. So gilt es nicht für Kündigungen und
widerspricht damit den EU-Richtlinien. Darauf hingewiesen, erklärte eine
Sprecherin des Bundesjustizministeriums: „Im Zweifel müssen die Richter
die Bestimmungen eben europarechtskonform auslegen.“
Kein Kopftuchverbot im Gerichtssaal
Ein generelles Kopftuchverbot in einer Gerichtsverhandlung ist laut Bundesverfassungsgericht
(BVerfG) nicht zulässig (Az. 2 BVR 677/05). Eine muslimische Zuhörerin
war von einem Jugendrichter im Amtsgericht Berlin-Tiergarten aufgefordert worden,
das Kopftuch abzulegen oder zu gehen. Das BVerfG sieht darin eine willkürliche
Entscheidung und eine Verletzung der Grundrechte der Beschwerdeführerin.
www.bundesverfassungsgericht.de
Aachener Friedenspreis 2006
Der Verein „Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren e. V.“
hat den Aachener Friedenspreis 2006 gewonnen. Die Mitglieder des 1994 gegründeten
Vereins engagieren sich im größten Abschiebegefängnis Deutschlands
im westfälischen Büren. Der Verein verurteilt die Abschiebehaft als
Unrecht. Friedenspreisvorsitzender Otmar Steinbicker sagte, dass die Verleihung
auch ein Zeichen „gegen eine immer rigoroser und unmenschlicher werdende
Abschiebepolitik“ sei. Damit geht der mit 2.000 Euro dotierte Preis zum
dritten Mal an eine Flüchtlingsorganisation.
www.aachener-friedenspreis.de
www.gegenabschiebehaft.de