Die Bundesregierung hat Ende August entschieden, dass Deutschland 2010/11 an der EU-weiten Zensusrunde teilnehmen wird. Die Vorbereitungen dafür laufen beim Statistischen Bundesamt und den Statistischen Landesämtern.
Ziel der Erhebung ist es, zuverlässige Daten zur Bevölkerung in Deutschland sowie zu deren Arbeits- und Wohnverhältnissen zu erhalten. Der Zensus wird registergestützt sein, d. h. er verwendet vorrangig Daten aus vorhandenen Verwaltungsregistern. Das sind vor allem die der Melderegister der Kommunen sowie der Bundesagentur für Arbeit. Ferner werden Informationen über Gebäude und Wohnungen per Post bei den Eigentümern eingeholt, da es hierzu keine flächendeckenden Verwaltungsdaten gibt. Es werden nicht wie bei einer traditionellen Volkszählung alle Einwohner befragt, sondern nur ein kleiner Teil. Dazu werden repräsentative Stichproben gezogen. Den ausgewählten Personen werden dann Fragen beispielsweise zu Bildung und Ausbildung gestellt.
Die letzte traditionelle Volkszählung, bei der alle Einwohner befragt wurden, fand im früheren Bundesgebiet 1987 und in der DDR 1981 statt. Seither basieren aktuelle Bevölkerungs- und Wohnungsdaten auf Fortschreibungen dieser Volkszählungen. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass die gegenwärtig von der amtlichen Statistik ermittelten Bevölkerungszahlen deutlich überhöht sind, z. B. weil sich Fortgezogene in ihrer Kommune nicht abmelden. Wenn 2010/11 neue Daten erhoben werden, so liefert die Bevölkerungsfortschreibung der Jahre danach verlässlichere Daten.
Zuverlässige Bevölkerungsdaten sind wichtig, da auf ihr eine Vielzahl politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen beruhen. Beispielsweise errechnen sich die Finanzausgleiche zwischen den Bundesländern nach Einwohnern.
Nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes wird das Verfahren des registergestützten Zensus zu „ebenso belastbaren Ergebnissen führen wie eine traditionelle Volkszählung“. Ein Vorteil sei, dass die Bürger weniger beansprucht würden, da nur ein Teil der Einwohner befragt wird. Ferner fielen dadurch für die Steuerzahler deutlich geringere Kosten an, so das Bundesamt. Experten plädieren hingegen für eine Vollzählung, „weil nur diese valide Daten in hoher regionaler Auflösung liefert“, so Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung.
Die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder erarbeiten derzeit ein umfangreiches Internetangebot zum Zensus 2010/11. as
Weitere Informationen:
www.destatis.de/zensus