Großbritannien: Ein Drittel scheitert am Einbürgerungstest
Nach Angaben des britischen Innenministeriums scheitert rund ein Drittel aller
Bewerber am Einbürgerungstest („Life in the UK-Test“). Der
Test wurde im November 2005 eingeführt, um zu prüfen, ob die Antragsteller
einen Bezug zu Großbritannien haben (vgl. MuB 3/06).
Das Bestehen ist Voraussetzung für den Erhalt der britischen Staatsbürgerschaft.
Zwischen November 2005 und September 2006 machten 82.375 Personen den Test.
Davon bestanden 56.615 Teilnehmer (69 %). Die Prüfung besteht aus 24 Multiple-Choice-Fragen
zur Gesellschaft und zum politischen System. Davon müssen mindestens 18
innerhalb von 45 Minuten richtig beantwortet werden. Der Einbürgerungstest
war nach seiner Einführung wegen der Uneindeutigkeit einiger Fragen in
die Kritik geraten. Ein Sprecher des Innenministeriums wies die Kritik zurück,
schließlich könne der Test beliebig oft wiederholt werden.
http://www.lifeintheuktest.gov.uk
Italien: Lampedusa weiter Hauptziel
Auf der italienischen Mittelmeerinsel sind im Oktober erneut mehr als 1.000
Menschen per Boot gelandet. Die meisten starteten ihre gefährliche Reise
über das Mittelmeer in Nordafrika. Nach Medieninformationen herrschen im
Auffanglager Lampedusa derzeit verheerende Zustände. Hunderte der Zuwanderer
mussten nach Sizilien ausgeflogen werden. Der italienische Regierungschef Romano
Prodi (parteilos) kündigte eine Überarbeitung des von der Vorgängerregierung
verabschiedeten Einwanderungsgesetzes an (vgl. MuB 6/02).
Seit Jahresbeginn sind nach Informationen des italienischen Innenministeriums
insgesamt rund 16.000 Personen beim illegalen Einreiseversuch an den italienischen
Küsten aufgegriffen worden.
http://www.interno.it
Dänemark: Neue Mohammed-Provokationen
Im Oktober hat ein Video, das in einem Sommerjugendlager der rechten Volkspartei-Jugend
(DFP) entstand und den Propheten Mohammed verhöhnt, erneut Proteste unter
Muslimen ausgelöst. Premierminister Anders Fogh Rasmussen (Rechtsliberale)
verurteilte die Verunglimpfung auf das Schärfste. Die islamische Welt reagierte
mit Kritik und Demonstrationen vor dänischen Botschaften. Anfang des Jahres
hatten Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung bereits für
umfangreiche Protestaktionen gesorgt (vgl. MuB 2/06).
Neuer Kurs in EU-Einwanderungspolitik
Die sechs größten EU-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien,
Italien, Polen und Spanien haben auf ihrem Gipfeltreffen im englischen Stratford-upon-Avon
Ende Oktober einen neuen Kurs in der europäischen Einwanderungspolitik
beschlossen. Deutschland und Frankreich hatten in einem Papier entsprechende
Vorschläge unterbreitet, die nun auf EU-Ebene diskutiert werden. Unter
anderem ist geplant, Gastarbeiter aus wirtschaftlich schwächeren Regionen
für einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren zuzulassen. Der deutsche
Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) betonte die Nützlichkeit einer
solchen „zirkulären Migration“. Ferner spricht der deutsch-französische
Vorschlag den Umgang mit nationalen Einwanderungsquoten, die Einrichtung einer
europäischen Asylbehörde sowie Maßnahmen gegen illegale Zuwanderung
an.
EU-Parlament fordert Not-Fonds
Das EU-Parlament (EP) hat sich der Forderung mehrerer Mitgliedstaaten nach einem
Finanzausgleich in der Einwanderungspolitik angeschlossen. Ende September sprach
sich die Mehrheit der Abgeordneten für einen „Not-Fonds“ zur
Finanzierung der Einwanderung nach Europa aus (vgl. MuB 8/06).
Dies ist mit Blick auf die aktuelle Zuwanderungssituation im Mittelmeerraum
zu sehen (vgl. MuB 1/06,
5/06,
7/06).
Das Parlament will, dass die EU Experten-Teams finanziert, die bei der Bewältigung
humanitärer Notlagen in den betroffenen Mitgliedsländern helfen könnten.
http://www.europarl.europa.eu/news/expert/default_de.htm
EU/USA: Passagierdatenaustausch
Im Rahmen der Terrorbekämpfung haben sich Vertreter der EU und des US-Heimatschutzministeriums
Anfang Oktober auf ein neues Abkommen über den Austausch von Passagierdaten
für Antiterror-Ermittlungen geeinigt. Die USA haben nun keinen direkten
Zugriff mehr auf die Systeme der europäischen Fluggesellschaften, sondern
müssen bei den Airlines anfragen. Bereits seit 2004 übermitteln die
Fluggesellschaften bis zu 34 Datensätze je Passagier an das Heimatschutzministerium
(z. B. Name, Telefonnummer, E-Mail, Rechnungsadresse, Kreditkartennummer, Essenswünsche
des Fluggastes). Das Heimatschutzministerium kann die Informationen allen US-amerikanischen
Behörden zur Verfügung stellen, die den Terror bekämpfen und
gewisse Datenschutzbestimmungen einhalten, z. B. auch der Bundespolizei FBI.
Die Daten müssen nach dreieinhalb Jahren gelöscht werden. Das Abkommen
muss noch von den Regierungen aller EU-Mitgliedstaaten gebilligt werden, bevor
es in Kraft treten kann.