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Deutschland: Studie über die Lage von Roma-Kindern

Die Lebenssituation von Roma-Kindern in Deutschland ist Gegenstand einer Untersuchung, die das Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) der Technischen Universität Berlin im Auftrag von UNICEF durchgeführt hat. Die Studie wurde Anfang März anlässlich der gemeinsamen Tagung von UNICEF und der Kinderkommission des Deutschen Bundestages veröffentlicht.

Zur Gruppe der Sinti und Roma gehören rund 70.000 deutsche Staatsbürger. Hinzu kommen in Deutschland schätzungsweise 50.000 Roma-Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien, 20.000 davon sind Kinder. Der Schwerpunkt der Studie lag auf Roma-Familien, die seit 1990 nach Deutschland gekommen sind. Im Rahmen von Fallstudien in Hamburg, Berlin, Köln, Münster und Frankfurt/Main wurde untersucht, welche Bedingungen den Erfolg bzw. Misserfolg im Bildungsbereich sowie den Zugang zum Wohnungs- und Gesundheitsbereich für Roma prägen. Die Forscher des ZfA führten 49 Leitfaden-Interviews mit lokalpolitischen Akteuren, Experten und Praktikern aus Schulen, Behörden, Flüchtlingsverbänden und Organisationen der Sinti und Roma. Hierbei ging es vorwiegend um regionale Unterschiede und ihre Ursachen sowie Beispiele gelungener Teilhabe und Integration von Roma-Familien.

Roma-Kinder in Südosteuropa
Zeitgleich erschien von UNICEF eine weitere Studie, in der die prekäre Situation von Roma-Kindern in Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, dem Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Rumänien und Serbien analysiert wird. Hier leben schätzungsweise 3,7 Mio. Roma, davon 1,7 Mio. Kinder. Die Studie untersucht detailliert Einflussfaktoren wie Armut, soziale Ausgrenzung und Diskriminierung und beschreibt dabei u. a. das Lebensumfeld der Roma-Kinder, d. h. die Wohn- und Arbeitssituation in der Familie, den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen sowie die Bildungschancen. Ferner werden klare Handlungsempfehlungen ausgesprochen.
UNICEF: „Breaking the Cycle of Exclusion. Roma Children in South East Europe”, 2007, ISBN: 987-86-82471-73-8, Download: www.unicef.de

Hauptaugenmerk der Untersuchung lag auf der besonders prekären Situation der Roma-Flüchtlinge. Wie die Studie herausstellt, gestaltet sich die Lage dieser Flüchtlinge aufgrund eingeschränkter Aufenthaltsrechte und einer problematischen Unterbringungs- und Betreuungspolitik als besonders schwierig: Zwei Drittel der Familien haben keinen rechtmäßigen Aufenthalt in Deutschland, sie sind lediglich geduldet. Sie müssen daher jederzeit mit ihrer Abschiebung rechnen, dürfen weder arbeiten noch an Sprach- und Integrationskursen teilnehmen. Sie erhalten nur 70 % des Sozialhilfesatzes und haben keinen Anspruch auf Kinder- oder Erziehungsgeld. Diese Beschränkungen und Auflagen stehen einer gesellschaftlichen Integration entgegen. Beispielhaft dafür ist die isolierte Wohnsituation vieler geduldeter Roma-Flüchtlinge in abgelegenen provisorischen Unterkünften am Stadtrand. In der Studie werden Münster und Berlin als einzige Städte genannt, die von dieser Unterbringungspolitik abweichen und unter bestimmten Bedingungen auch geduldeten Flüchtlingen den Umzug in Mietwohnungen gewähren.

Die Wissenschaftler beurteilen den Zugang zu Bildung als wesentlich für eine erfolgreiche Integration, insbesondere der Roma-Kinder. Im Saarland, in Baden-Württemberg und Hessen unterliegen geduldete Flüchtlingskinder keiner Schulpflicht. Der Schulbesuch und -erfolg hängt dort vom Engagement der Eltern, Lehrkräfte und Sozialarbeiter ab. Ein besonderes Integrationshindernis ist das Ausbildungs- und Arbeitsverbot für geduldete Roma-Jugendliche, so die Studie. Ihnen wird damit jegliche berufliche Perspektive für den Verbleib in Deutschland, aber auch bei einer möglichen Rückkehr genommen.

Ob und wie erfolgreich die Integration der Roma-Familien und ihrer Kinder gelingen kann, hängt den Ergebnissen der Studie zufolge vor allem vom Aufenthaltsstatus ab. Eine großzügige Regelung mit dauerhaftem Aufenthaltsstatus wird für diejenigen Familien empfohlen, die seit mehr als sieben Jahren in Deutschland leben und deren Kinder hier geboren oder zum größten Teil aufgewachsen sind. Auf diese Weise könne ihnen eine Perspektive auf ein geregeltes Leben in Deutschland eröffnet werden. Auch sehen die Forscher als entscheidende Integrationsvoraussetzung verbesserte Wohnungs-, Bildungs- und Betreuungseinrichtungen an. Sie erwarten von Kommunen und Initiativen mehr Engagement für die „vergessenen“ Kinder. Als beispielhaft nennen sie die Stadt Köln, die durch den Einsatz von romastämmigen Sozialarbeitern Roma-Kinder erfolgreich an die Schule herangeführt hat. Ulrike Pape, Berlin

Weitere Informationen:
„Zur Lage von Kindern aus Roma-Familien in Deutschland“, Zusammenfassung der Ergebnisse einer Studie des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin, im Auftrag von UNICEF: www.unicef.de/4298.html

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