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UNO: Neue Bevölkerungsprognosen veröffentlicht

Die Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen (UN Population Division) hat Mitte März 2007 erneut Schätzungen und Projektionen zur demographischen Lage weltweit veröffentlicht. Sie setzt damit die Tradition fort, ihre Schätzungen alle zwei Jahre auf der Grundlage neuer statistischer Daten, anderer Untersuchungen und veränderter Annahmen für die Zukunft zu überarbeiten.

Die neuen Prognosen der Bevölkerungsabteilung weichen nicht substanziell von jenen des Jahres 2004 ab (vgl. MuB 3/05). In den zurückliegenden zwei Jahren hat sich in der deutschen Öffentlichkeit allerdings eine Verschiebung der Wahrnehmung demographischer Prozesse vollzogen. Die Diskussion des demographischen Wandels in Deutschland und anderen europäischen Staaten – mit Bevölkerungsrückgang und Alterung im Vordergrund – wurde zu einem wichtigen Thema in Medien und Politik. Die aktuellen UNO-Prognosen sind eine Erinnerung daran, dass im globalen Kontext Bevölkerungswachstum in den nächsten fünf Jahrzehnten die dominierende Tendenz verschiedener nationaler Entwicklungen bleiben wird (siehe Karte).

[Grafik]

Die Bevölkerungsabteilung erwartet bis Mitte des 21. Jahrhunderts einen weiteren Anstieg der Weltbevölkerung um 2,5 Mrd. Menschen. Allein dieser Zuwachs entspricht der Größe der Weltbevölkerung im Jahr 1950. Der für 2050 ausgewiesene Wert wurde dabei gegenüber vergangenen Einschätzungen zum zweiten Mal leicht nach oben korrigiert, um 115 Mio. Menschen. In den UN-Projektionen von 2002 erwartete man 8,9 Mrd. Menschen für 2050, zwei Jahre später 9,1 Mrd. und in der aktuellen Projektion 9,2 Mrd. Menschen. Diese Veränderungen der Projektionen resultieren aus neuen Daten zur aktuellen Bevölkerungsgröße einzelner Länder und aus neuen Einschätzungen zur zukünftigen Entwicklung von Fertilität und Mortalität. Es ist bemerkenswert, dass fast die Hälfte der Korrektur der Prognosen zur Größe der Weltbevölkerung für 2050 nicht auf veränderten Annahmen für die Zukunft beruht, sondern auf einer Datenkorrektur für die Gegenwart. Von den 115 Mio. Menschen, um welche die Prognose für 2050 nach oben korrigiert wurde, entfallen allein 50 Mio. auf die Bevölkerungsgröße im Jahre 2005.

Hinter den relativ geringfügig veränderten Prognosen für die Weltbevölkerung insgesamt stehen größere Korrekturen für einzelne Länder nach oben oder unten, die sich teilweise in der Summe ausgleichen. Dies betrifft vor allem Entwicklungsländer, bei denen allein für die Gegenwart eine beträchtliche Unsicherheit in den Daten zur Bevölkerungsgröße oder Fertilität und Mortalität besteht. Für Indien wurde die Bevölkerungsschätzung für 2005 gegenüber der vorherigen Prognose von 2004 um 31 Mio. nach oben korrigiert (+4,1%), für Afghanistan um fast 5 Mio. nach unten (-16%). Bei der aktuellen Prognose für 2050 stehen Korrekturen für einzelne Länder von insgesamt 292 Mio. nach oben, Korrekturen von insgesamt 177 Mio. nach unten gegenüber. Die Gegenläufigkeit der demographischen Entwicklungen in einzelnen Nationalstaaten spiegelt sich also auch auf der Ebene von statistischen Korrekturen wider.

Sieht man von Datenkorrekturen für die Gegenwart ab, ist für die letzten zwei Jahre kein grundsätzlicher Paradigmenwechsel in den Annahmen der Bevölkerungsabteilung für die Zukunft zu erkennen. Ein Bereich mit großen Unsicherheiten bleibt der Einfluss der AIDS-Mortalität, insbesondere nachdem für einige Entwicklungsländer lebensverlängernde antiretrovirale Medikamente verfügbar wurden. Auch die zukünftige Fertilitätsentwicklung und die internationalen Wanderungen könnten heutige Prognosen viel stärker in Frage stellen. Allerdings haben sich offenbar in den letzten zwei Jahren keine wesentlichen Erkenntnisse ergeben, die zu einer Änderung der Annahmen und Prognosen führten. Prof. Ralf E. Ulrich, Direktor des Instituts für Bevölkerungs- und Gesundheitsforschung, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld

Die UN-Bevölkerungsabteilung hat die wichtigsten Ergebnisse auf ihrer Website bereitgestellt:
www.un.org/esa/population/publications/wpp2006/wpp2006.htm

Auch Ergebnisse für einzelne Länder können online abgefragt werden: esa.un.org/unpp. In den nächsten Monaten werden die vollständigen Ergebnisse veröffentlicht und in Deutschland durch den UNO-Verlag vertrieben. Nachfragen zu den Projektionen beantwortet Hania Zlotnik, Director, Population Division, United Nations, New York, NY 10017, Fax: +1-212-963 2147.

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