Der Streit um den Neubau einer großen Moschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld hat sich zugespitzt. Politiker befürworten das Vorhaben als Symbol für eine gelungene Integration, viele Anwohner lehnen es dagegen ab.
Die Kontroverse um den Moschee-Neubau in Köln, der viertgrößten Stadt Deutschlands, hält bereits seit über zwei Jahren an. Das geplante muslimische Gotteshaus und Begegnungszentrum an der Venloer Straße in Ehrenfeld soll einen 17 m hohen kuppelförmigen Gebetsraum und zwei 55 m hohe Minarette haben und würde damit nach Ansicht vieler Kritiker zur dominierenden Architektur des Stadtteils. Entworfen wurde die Moschee von den Kölner Kirchenbaumeistern Gottfried und Paul Böhm.
Bis zu 2.000 Gläubige sollen in dem geplanten Neubau gleichzeitig beten können, dazu sollen Büro-, Tagungs-, Unterrichts- und Aufenthaltsräume entstehen. Momentan steht auf dem 20.000 qm großen Baugrundstück noch ein Gebäude in sanierungsbedürftigem Zustand, das die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) seit 1984 als Hauptsitz und zugleich als Moschee nutzt. Dem Dachverband gehören rund 900 Moscheevereine in Deutschland an (vgl. MuB 4/07).
Kampagnenartig äußert die rechtspopulistische Vereinigung „Pro Köln“ seit langem Kritik. Neben einer fremdländischen Architektur und lauten Muezzin-Rufen befürchten viele Anwohner ein Verkehrschaos, da in der Bauplanung nur rund 130 Parkplätze vorgesehen sind.
Im Mai demonstrierten während einer Bezirksversammlung aufgebrachte Bürger vor dem Saal. Der Ehrenfelder CDU-Vorsitzende Jörg Uckermann bezeichnete die geplante Moschee wegen ihrer Größe und dem geplanten Begegnungszentrum als „islamisches Disneyland“.
Im Stadtrat befürworten CDU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen und Linkspartei den Bau der Moschee. Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) äußerte sich zufrieden über den Stand der Integration in seiner Stadt, sie sei „höchst erfolgreich“. Die für Integrationsfragen zuständige Sozialdezernentin Marlis Bredehorst (Bündnis 90/Die Grünen) sagte bei einer Bürgerversammlung: „Vor 200 Jahren haben die Protestanten hier auch noch in den Hinterhöfen gebetet. Heute haben sie längst ihre eigenen Kirchen.“
Die Kölner Bundestagsabgeordnete und SPD-Islambeauftragte Lale Akgün äußerte große Besorgnis über die feindselig geführte Debatte. Sie fürchte um den Ruf Kölns als weltoffene Stadt. Architekt Gottfried Böhm verteidigte seinen Entwurf und sagte, er sei „keine Replik einer osmanischen Baukultur, sondern ein modern dastehendes Bauwerk“.
Der Schriftsteller und Holocaust-Überlebende Ralph Giordano sprach sich dezidiert für einen Verzicht auf die „gewalttätige islamische Architektur“ aus und erklärte die gesamte Integration der Muslime in Deutschland für gescheitert. Für weiteren Zündstoff in der Debatte sorgte im Mai auch ein Positionspapier der Evangelischen Kirche Deutschlands mit dem Titel „Klarheit und gute Nachbarschaft“. Es bewertete das christlich-islamische Verhältnis kritisch.
Neben der umstrittenen Moschee in Ehrenfeld wurden bereits zwei weitere Anträge für Moschee-Bauvorhaben in Köln gestellt. In der Stadt leben insgesamt etwa 120.000 Muslime. chw
Weitere Informationen:
www.stadt-koeln.de/bezirke/ehrenfeld/index.html
www.buergerverein-koeln-ehrenfeld.de
www.ditib.de