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Deutschland: Schlechte Aussichten für Migranten auf dem Arbeitsmarkt

Eine aktuelle Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht Migranten auf dem deutschen Arbeitsmarkt deutlich benachteiligt. Das gelte auch für Hochqualifizierte und für die Kinder von Zuwanderern. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Umfrage des Zentrums für Türkeistudien für Nordrhein-Westfalen. Die Frage, wie Menschen mit Migrationshintergrund besser in Arbeit gebracht werden können, war Gegenstand einer Fachtagung der Bundesagentur für Arbeit Anfang Juli im baden-württembergischen Lauf.

Mit einem Anteil von 12 % lebten in Deutschland so viele Zuwanderer wie in keinem der 24 übrigen OECD-Länder, aber nur in wenigen Ländern seien Migranten ähnlich schlecht in den Arbeitsmarkt integriert wie hierzulande. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Jobs for Immigrants - Labour Market Integration in Australia, Denmark, Germany and Sweden“ der OECD, die Mitte Juli in Berlin vorgestellt wurde. Demnach schnitten Migranten auch bei gleicher Bildung deutlich schlechter ab als die übrige Bevölkerung. So liege etwa die Beschäftigungsquote bei zugewanderten Hochschulabsolventen nur bei 68 % gegenüber 84 % bei in Deutschland geborenen Akademikern. Eine Ausnahme bestehe lediglich bei der Beschäftigungsquote von gering qualifizierten Zuwanderern. Hier liege die Beschäftigungsquote bei rund 45 % und damit sogar um fünf Prozentpunkte höher, weil viele Deutsche zum Beispiel im Reinigungsservice nicht arbeiten wollten.

Auch müssten Migranten mit einer geringeren Beschäftigungsstabilität leben als Deutsche. Sie würden von einem wirtschaftlichen Abschwung stärker getroffen, profitierten umgekehrt aber auch stärker von einem Aufschwung. Als Ursachen nennt die OECD Sprachbarrieren, fehlende Netzwerke und die im Verhältnis zur übrigen Bevölkerung schlechte Qualifikationsstruktur der Zuwanderer, aber auch Diskriminierung. Zwar habe es in den vergangenen Jahren erhebliche Verbesserungen im Bereich der Integrationspolitik gegeben, trotzdem müsse Deutschland diese Nachteile noch entschlossener ausgleichen. Zur Förderung der Integration in den Arbeitsmarkt empfiehlt die OECD u. a. die vereinfachte Anerkennung von im Ausland erworbenen Bildungsabschlüssen, einen früheren Besuch von Kindergärten sowie speziell auf Migranten zugeschnittene Praktikumsprogramme, um Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern herzustellen.

Auch nach einer Umfrage des Zentrums für Türkeistudien im Auftrag des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration haben die in NRW lebenden 937.000 Bürger türkischer Abstammung „nach wie vor ausgeprägte Defizite bei der wirtschaftlichen Teilhabe“. Dies zeige sich u. a. an dem nur langsam steigenden Schul- und Ausbildungsniveau und an dem insgesamt rückläufigen Haushaltseinkommen türkischer Familien. Auch sei die Zahl der in einem Vollzeitjob beschäftigten Migranten mit türkischem Hintergrund von 41 % im Jahr 2005 auf 36 % gesunken.

Mit der „Qualifizierung und Integration von Menschen mit Migrationshintergrund“ beschäftigte sich auch eine Fachtagung der Bundesagentur für Arbeit (BA) Anfang Juli. Angaben des Bundesagentur zufolge war 2005 die Arbeitslosenquote von Ausländern mit 20 % fast doppelt so hoch wie die der Deutschen (11 %). Dies sei u. a. auf strukturelle Ursachen zurückzuführen. So hatten 2005 76 % der arbeitslosen Ausländer und 62 % der Spätaussiedler keine abgeschlossene Berufsausbildung im Vergleich zu nur 33 % bei anderen Arbeitslosen.

Ein weiteres Problem scheint die deutlich gesunkene Ausbildungsquote zu sein: Nach Angaben der BA ist die Ausbildungsquote ausländischer Jugendlicher gemessen an der Ausbildungsbeteiligung von 1994 in zehn Jahren um gut 26 % zurückgegangen (bei deutschen Jugendlichen um 12 %). Nur knapp 25 % aller Jugendlichen mit einem ausländischen Pass, aber rund 59 % aller deutschen Jugendlichen befinden sich in einer dualen Ausbildung. Als Grund nannte die BA die Qualifikationsdefizite von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die diese aus den allgemein bildenden Schulen mitbrächten. up

Weitere Informationen:
Studie der OECD: “Jobs for Immigrants: Labour market integration in Australia, Denmark, Germany and Sweden”: www.oecd.org/document/1/0,3343,de_34968570_34968795_38938241_1_1_1_1,00.html
Umfrage „Die Integration türkischstämmiger Migrantinnen und Migranten in Nordrhein-Westfalen“: www.mgffi.nrw.de/pdf/integration/NRW-Bericht_2006.pdf

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