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Irak: Humanitäre Krise

Die Zahl der irakischen Flüchtlinge im In- und Ausland ist nach neuesten Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) auf 4,2 Mio. angestiegen. In dem Ende Juli veröffentlichten Bericht „Rising to the Humanitarian Challenge in Iraq“ warnen die Hilfsorganisation Oxfam und das Netzwerk Koordinationskomitee Irak (NCCI) vor drohenden Hungersnöten und Seuchen. Insbesondere die irakische Regierung wird kritisiert.

Die täglichen Anschläge und die religiös motivierte Gewalt im Irak verdeckten die humanitäre Krise, die sich seit dem Einmarsch der US-geführten Truppen 2003 verschärft habe, so der Bericht der Hilfsorganisation Oxfam und des Koordinationskomitees NCCI, einem Netzwerk von im Irak tätigen Hilfsorganisationen. Im Jahr 2006 seien mehr als 600.000 Menschen im Irak ums Leben gekommen, davon rund 34.000 Menschen bei Attentaten und Angriffen.

Dem Bericht zufolge sterben die meisten Menschen aufgrund der schlechten Lebensumstände im Land: 70 % der rund 26,5 Mio. Iraker sind von der Wasserversorgung abgeschnitten, vor 2003 waren es 50 %. Nur jeder Fünfte hat Zugang zu sanitären Einrichtungen. 8 Mio. Iraker benötigen dringend Wasser, Hygieneartikel, Nahrungsmittel und eine Unterkunft. Rund 4 Mio. Menschen (etwa 15 % der Bevölkerung) können es sich nicht leisten, regelmäßig zu essen. Rund ein Drittel der Kinder ist unterernährt.

Die irakische Bevölkerung ist auf auswärtige Hilfe angewiesen, doch nur 60 % haben Zugang zu den Hilfsrationen, die im Lande verteilt werden. Im Jahr 2004 waren es noch 94 %. Gründe dafür sind hauptsächlich Transport- und Registrierungsprobleme.

Auch durch die Abwanderung von Fachkräften verschärft sich die Versorgungsnot im Land. Tausende Menschen, medizinisches Personal, Lehrer und Ingenieure haben das Land wegen der unsicheren Lage verlassen. Im Jahr 2006 seien schätzungsweise 40 % aller Führungskräfte aus dem Irak geflohen, heißt es in dem Bericht.

„Die irakische Regierung, die UN und die internationale Gemeinschaft könnten trotz der schrecklichen Gewalt mehr für die Bedürfnisse der Menschen tun“, sagte Jeremy Hobbs, Direktor von Oxfam International. Es sei u. a. sicherzustellen, dass die Spenden richtig eingesetzt würden. Viele Hilfsorganisationen arbeiten jedoch aus Gründen der eigenen Sicherheit und Unabhängigkeit nicht mit Regierungen zusammen, die Truppen im Irak stationiert haben. Daher sind insbesondere Länder ohne Truppen wie Belgien, Deutschland oder Kanada aufgefordert, höhere Summen zur Verfügung zu stellen.

Vor allem müsse ein Weg gefunden werden, Flüchtlinge einfacher mit Hilfsgütern zu versorgen. Die irakischen Behörden müssten schneller und effektiver auf die Probleme reagieren, so Oxfam und NCCI.

Wie auf die massenhafte Flucht der Iraker insbesondere in den Hauptaufnahmeländern Syrien und Jordanien reagiert werden könnte, war Gegenstand einer internationalen Konferenz über Hilfsprogramme für die Flüchtlinge aus dem Irak. Die Türkei, Iran, Russland und Japan sowie Großbritannien, die EU und die Vereinten Nationen nahmen als Beobachter an dem Treffen in Jordaniens Hauptstadt Amman Ende Juni teil. Der Abschlusserklärung zufolge soll das Flüchtlingsproblem dadurch gelöst werden, dass die Menschen perspektivisch in ihre Heimat zurückkehren können. Es falle in die „Zuständigkeit der irakischen Regierung“, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, erklärte der syrische Delegationsleiter Milad Attijeh. Auch die USA müssten dafür die „Verantwortung übernehmen“. Die Aufnahmeländer, von denen die meisten inzwischen strenge Einreisebestimmungen für irakische Flüchtlinge erlassen haben, seien berechtigt, selbst über „Einreise und Aufenthalt der Iraker zu entscheiden, entsprechend ihrer Gesetze und Einschätzung“, so Attijeh weiter.

Das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) hat unterdessen erneut seinen Haushaltsentwurf für irakische Flüchtlinge erweitert. So stehen für die humanitären Maßnahmen in diesem Jahr rund 123 Mio. US-Dollar zur Verfügung, mehr als das Doppelte im Vergleich zum Vorjahr. Die Summe beinhaltet 60 Mio. US-Dollar, die bereits im Januar 2007 durch Zuwendungen eingegangen sind. Bis jetzt hat das UNHCR 67 Mio. US-Dollar für seine Irak-Projekte benötigt. Weitere 10 Mio. sind bereits verplant. Die irakische Regierung wurde aufgefordert, die bereits im April versprochene Summe von 25 Mio. US-Dollar auszuzahlen (vgl. MuB 4/07). up

Weitere Informationen:
http://www.unhcr.de/aktuell/einzelansicht/article/5/irak-zahl-der-vertriebenen-waechst-auf-42-millionen.html
http://www.oxfam.de
http://www.ncciraq.org

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