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Länderprofil: Rumänien

Historische Entwicklungen:
Migrationspolitik vor der Zeit des Kommunismus: Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert war Rumänien vorwiegend ein Auswanderungsland. In Folge der territorialen Veränderungen während des Ersten und Zweiten Weltkrieges kam es in Rumänien zu Verschiebungen von großen Bevölkerungsgruppen.

1947-1989: Während der kommunistischen Herrschaft vertrat die rumänische Regierung eine restriktive Ausreisepolitik. Dennoch verließen zu jener Zeit relativ viele Menschen auf legalem Wege das Land. Unter diesen Auswanderern waren ethnische Minderheiten (Juden, Deutsche und Ungarn) deutlich überrepräsentiert. Beispielsweise machten Deutschstämmige laut der Volkszählung von 1977 nur 1,6 % der Bevölkerung aus, stellten aber 44 % der Auswanderer zwischen 1975 und 1989.

Die Zuwanderung von Ausländern blieb zur Zeit des Kommunismus sehr begrenzt, da jeder Fremde – vor allem aus „feindlichen“ Ländern – von der Obrigkeit als potenzielle Bedrohung betrachtet wurde. Ausnahmen stellten ausländische Studierende insbesondere aus dem Mittleren Osten und aus afrikanischen Staaten dar. Ihren höchsten Stand erreichte die Zahl ausländischer Studierender im Jahr 1981 mit 16.900, was etwa 7-8 % aller Studierenden an rumänischen Universitäten entsprach.

1990 bis heute: Direkt nach dem Fall des kommunistischen Regimes wurde weitgehende Reisefreiheit eingeführt. Gegen Ende der 1990er Jahre begann Rumänien, eine Reihe von Maßnahmen zur Regulierung der internationalen Mobilität von Arbeitskräften zu ergreifen. Ein wichtiger Schritt war die Schaffung des Amts für Arbeitsmigration im Jahr 2002. Diese Behörde ist sowohl für die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte verantwortlich als auch für die Bereitstellung von Informationen bzw. für die Beratung von Rumänen, die im Ausland arbeiten möchten.

Im Jahr 2004 wurde der „Nationale Migrationsplan“ entwickelt. Vorrangiges Ziel ist es, einen in sich schlüssigen Rahmen für Arbeitsmigration, Asylanträge und Einbürgerungsverfahren zu entwickeln.

Abwanderung: In den ersten drei Jahren nach dem Fall des Kommunismus sind 170.000 Menschen legal aus Rumänien ausgewandert. 1990 hatte diese Abwanderung mit 96.929 Menschen ihren Höhepunkt.

Wieder waren ethnische Minderheiten (insbesondere Deutsche und Ungarn) bei den Auswanderern besonders stark vertreten. Unter den knapp 97.000 Auswanderern im Jahr 1990 befanden sich allein 60.000 Deutschstämmige. In diesem Fall war die Ausreise durch die Aussiedlerpolitik der Bundesrepublik Deutschland gegenüber ethnischen Deutschen gefördert worden.

In den vergangenen 17 Jahren haben sich die Zielländer für Arbeitsmigranten aus Rumänien erheblich verschoben. Es können drei unterschiedliche Phasen festgestellt werden:

Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen Rumäniens Beitritt zur Europäischen Union haben wird, der am 1. Januar 2007 erfolgte. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass nicht alle EU-Mitgliedstaaten rumänischen Arbeitskräften uneingeschränkten Zugang zu ihren jeweiligen Arbeitsmärkten gewähren (vgl. MuB 3/04, 2/06).

Zuwanderung: Zu Beginn der 1990er Jahre war die Zuwanderung nach Rumänien gering. Zuwanderer in dieser Zeit waren zumeist Unternehmer, insbesondere aus der Türkei, aus dem Mittleren Osten (Syrien, Jordanien) und aus China. Erst seit 2000 stieg die Zahl der Zuwanderer wesentlich an (2000: 1.580, 2005: 3.678, 2006: 7.993), blieb aber auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Hauptherkunftsländer sind die Türkei, China, Frankreich und Deutschland.

Staatsbürgerschaft: Zu den wichtigsten Neuerungen des Staatsbürgerschaftsgesetzes von 1991 gehört die Anerkennung der doppelten Staatsangehörigkeit. Daneben erhielten Personen die Möglichkeit, sich wieder einbürgern zu lassen, wenn sie durch historische Umstände ihre rumänische Staatsbürgerschaft verloren hatten oder gezwungen waren, sie aufzugeben.

Personen, die mit rumänischen Staatsbürgern verheiratet sind, müssen fünf Jahre, alle anderen acht Jahre in Rumänien gelebt haben, bevor sie einen Antrag auf Einbürgerung stellen können. Ausnahmen gelten für Unternehmer, die in größerem Umfang in Rumänien investieren.

Flucht und Asyl: Während der Zeit des Kommunismus, v. a. Ende der 1980er Jahre, war Rumänien Herkunftsland vieler Asylsuchender. Eine beträchtliche Zahl von Rumänen stellte Asylanträge in Ungarn, aber auch in westeuropäischen Ländern, in den USA und in Kanada. Diese Anträge hatten vergleichsweise gute Chancen auf Anerkennung. Im Vergleich zum Beginn der 1980er Jahre verdoppelte bzw. verdreifachte sich in der zweiten Hälfte der 80er Jahre die Zahl der Asylanträge, die rumänische Staatsbürger in westlichen Ländern stellten.

Noch in den frühen 1990er Jahren stellten Rumänen mit 402.000 Anträgen die zweitgrößte Gruppe von Asylsuchenden in Europa überhaupt dar. Insgesamt 350.000 dieser Anträge wurden allein zwischen 1990 und 1994 gestellt, drei Viertel davon in Deutschland.

Im Jahr 1991 unterschrieb Rumänien die UN-Flüchtlingskonvention von 1951 und das UN-Protokoll zum Status von Flüchtlingen von 1967 und wurde damit – in beschränktem Umfang – selbst ein Aufnahmeland für Asylbewerber. Zwischen 1991 und 2006 wurden in Rumänien insgesamt 15.605 Asylanträge gestellt. In den letzten Jahren hat sich die Zahl der Asylsuchenden in Rumänien erheblich verringert, von 1.150 Anträgen im Jahr 2002 auf 380 im Jahr 2006. Diese Entwicklung kann der relativ niedrigen Anerkennungsquote zugeschrieben werden, entspricht jedoch insgesamt dem europaweiten Rückgang von Asylanträgen. Im gleichen Jahr wurde das rumänische Asylsystem mit EU-Standards in Einklang gebracht.

Irreguläre Migration: Rumänien war und ist immer noch ein Land, von dem irreguläre Migration ausgeht, und auch ein Transitland. Irreguläre Praktiken wie das Überqueren der „grünen Grenze“ und der Aufenthalt im Ausland ohne notwendige Papiere waren während des kommunistischen Regimes weit verbreitet. Aber auch noch nach dem Fall des Kommunismus, als westeuropäische Länder von rumänischen Staatsbürgern gültige Visa für den Zugang verlangten und damit den legalen Zutritt erheblich erschwerten, ging von Rumänien irreguläre Arbeitsmigration in großem Ausmaß aus.

Menschenhandel: Seit den 1990er Jahren ist Rumänien ein Herkunfts- und Transitland für Menschenhandel. Nach einer 2002 vorgenommenen Einschätzung der International Organisation for Migration (IOM) werden jedes Jahr 20.000 Frauen aus Rumänien verschleppt, schätzungsweise 10-15 % von ihnen minderjährig. Beim Handel mit Kindern zählt Rumänien zu den wichtigsten südosteuropäischen Herkunftsländern.

Aktuelle Entwicklungen:
Die wirtschaftliche Bedeutung der Auswanderung für Rumänien ist noch nicht umfassend beurteilt worden. Sicher ist bislang nur, dass die Höhe von Rücküberweisungen aus dem Ausland bis 2006 kontinuierlich gestiegen ist. Im Jahr 2002 wurden nach Schätzungen 1,5 bis 2 Mrd. US-Dollar an Angehörige überwiesen. Die rumänische Nationalbank veröffentlichte für 2006 Rekordsummen zwischen 4,8 und 5,3 Mrd. Euro, je nach Berechnungsgrundlage.

Künftige Herausforderungen:
Die Behörden sind nicht nur daran interessiert, die Abwanderung von Arbeitskräften einzudämmen, sondern die Bedingungen im Land so zu gestalten, dass ausgewanderte Rumänen zurückkehren. Andererseits wird die rumänische Regierung ihre Aufmerksamkeit darauf richten müssen, ausländische Arbeitskräfte anzuwerben, um dem Arbeitskräftemangel auf dem heimischen Arbeitsmarkt zu begegnen. Da es bislang in Rumänien keine Zuwanderung größeren Ausmaßes gab, werden sowohl die Behörden als auch die Gesellschaft als Ganzes vor ernst zu nehmende Herausforderungen bei der Integration einer großen Zahl von Neuankömmlingen sowie im Umgang mit zunehmender Diversität gestellt sein. Dr. István Horváth, Juniorprofessor, Fakultät für Soziologie und Sozialarbeit der Babes-Bolyai-Universität, Cluj-Napoca, Rumänien

Die 10-seitige Langfassung dieses Länderprofils mit umfangreichem Datenmaterial ist in Deutsch und Englisch abrufbar unter:www.focus-migration.de und www.migration-info.de
In der Rubrik Länderprofile sind bei focus Migration bereits erschienen: Deutschland, Frankreich, Polen, USA, Türkei, Spanien, Litauen, Kanada

 

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