Kinder an deutschen Schulen können heute deutlich besser lesen als noch vor sechs Jahren. Auch ihre naturwissenschaftlichen Kenntnisse verbesserten sich. Das zeigen aktuelle Ergebnisse der IGLU- und PISA-Studien, an denen Deutschland seit 2001 bzw. 2000 teilnimmt. Die Ergebnisse belegen erneut eine Bildungsbenachteiligung von Migrantenkindern.
Im Jahr 2001 erreichte Deutschland bei der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) im Lese-Vergleichstest den elften Platz unter 45 Ländern und Regionen. Der aktuelle Bericht der International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) wurde am 28. November vorgestellt. Die Leseleistungen der getesteten 10-Jährigen zeigten 2007 eine deutliche Verbesserung. Deutschland rangiert zwar nach wie vor auf Platz 11, wies aber im Vergleich zu IGLU 2001 in allen Dimensionen der Lesekompetenz bessere Ergebnisse auf. Den ersten Platz belegte Russland, gefolgt von Hongkong und der kanadischen Provinz Alberta.
Auch die aktuellen Ergebnisse der am 4. Dezember vorgestellten PISA-Studie (Programme for International Student Assessment) zeigen eine Verbesserung der Leistungen deutscher 15-jähriger Schüler im Vergleich zum Jahr 2003, allerdings nur in den naturwissenschaftlichen Fächern. Dort landete Deutschland auf Rang 13 von 50 teilnehmenden Staaten. Im Lesen und in Mathematik bewegt sich Deutschland immer noch im Mittelfeld (Platz 18 bzw. 20). Vorn lagen in allen drei Bereichen Finnland, Hongkong und – mit Einschränkungen – Kanada.
Neben den Verbesserungen der Leistungen deutscher Schüler insgesamt zeigen die Studien erneut ein signifikant schlechteres Abschneiden von Kindern aus Migrantenfamilien gegenüber Kindern aus herkunftsdeutschen Familien. In der IGLU-Studie erzielten die 10-Jährigen in Deutschland für ihre Leseleistungen im Durchschnitt 516 Punkte. Migrantenkinder, bei denen beide Eltern im Ausland geboren wurden, erreichten laut IGLU im Schnitt 48 Punkte weniger als ihre Klassenkameraden aus deutschen Familien.
Bei PISA erreichten die getesteten Schüler in der Lesekompetenz einen Durchschnittswert von 495 Punkten. Der Abstand zwischen dem Abschneiden von Migrantenkindern mit im Ausland geborenen Eltern und herkunftsdeutschen Kindern betrug hier sogar 93 Punkte. Dies entspreche dem Schulwissen von zweieinhalb Jahren, so der Leiter des Berliner OECD-Büros Heino von Meyer. Kein anderes OECD-Land erreiche diese Kluft. Meyer verwies darauf, dass Migrantenkinder „doppelt benachteiligt“ seien, weil sie häufig aus einem sozioökonomisch schwachen Milieu kämen. Dr. Ulrich Raiser, Netzwerk Migration in Europa e.V
Weitere Informationen:
www.ifs.uni-dortmund.de/iglu2006
www.pisa.oecd.org
www.mpib-berlin.mpg.de/pisa