Die Zuwanderung nach Deutschland ist in fast allen Bereichen weiter rückläufig. Dies zeigt der Ende 2007 von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble vorgelegte „Migrationsbericht 2006“.
Das Bundeskabinett hat am 19. Dezember den von Bundesinnenminister
Wolfgang Schäuble (CDU) vorgelegten „Migrationsbericht 2006“
verabschiedet. Demnach befindet sich die Zuwanderung in Deutschland auf dem
tiefsten Stand seit Jahrzehnten. Im Jahr 2006 wies Deutschland einen beinahe
ausgeglichenen Wanderungssaldo aus: 661.855 Menschen verlegten 2006 ihren Wohnsitz
in die Bundesrepublik (davon gut 558.467 Ausländer), 639.064 zogen fort
(davon 483.774 Ausländer). Die Anzahl der Zuzüge insgesamt lag also
nur noch knapp über der aller Fortzüge, wobei in den Jahren 2005 und
2006 jeweils mehr deutsche Staatsbürger abwanderten als zuzogen (siehe
Tabelle). Allein 200.000 Zuzüge (30 %) entfallen auf Unionsbürger
aus den neuen EU-Staaten (EU-10), davon drei Viertel aus Polen. Der Bericht
betont allerdings, dass es sich hierbei vielfach um kurzfristige Aufenthalte
zum Zweck einer temporären Beschäftigung handelt.
Sowohl der Zuzug von Spätaussiedlern (7.747 Personen) als auch von Asylbewerbern (21.029 Erstanträge) befand sich 2006 auf dem tiefsten Stand seit Jahrzehnten. Auch beim Zuzug von Juden und ihren Familienangehörigen aus der ehemaligen Sowjetunion sind die Zahlen stark rückläufig – hier machen sich offenbar die 2005/2006 eingeführten, restriktiveren Aufnahmevoraussetzungen bemerkbar (vgl. MuB 1/05, 6/05). Während 2004 noch über 11.000 jüdische Zuwanderer kamen, waren es 2005 nur knapp 6.000. Im Jahr 2006 verlegten sogar nur 1.079 ihren Wohnsitz in die Bundesrepublik.
Der „Migrationsbericht 2006“, der im Auftrag des Bundesinnenministeriums von den Fachabteilungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erstellt wird, hat im Vergleich zu früheren Ausgaben deutlich an Umfang gewonnen. Ebenso wie der Lagebericht der Bundesintegrationsbeauftragten bedient er sich zusätzlich der Mikrozensusdaten über Menschen mit Migrationshintergrund. Daneben hat das 2005 in Kraft getretene Zuwanderungsgesetz zur Aufnahme neuer Erfassungskriterien im Ausländerzentralregister (AZR) geführt. Der Migrationsbericht enthält dadurch zusätzliche Daten über die rechtliche Grundlage von Einreise und Aufenthalt von Ausländern.
Neu aufgenommen wurde auch ein ausführliches Kapitel über Migration und demografischen Wandel. Es gibt die unterschiedlichen Bevölkerungsprojektionen des Statistischen Bundesamtes wieder und diskutiert zukünftige Migrationspotenziale nach Deutschland. Während die bundesdeutsche Bevölkerung tendenziell altert und schrumpft, werden künftig noch stärker die Zu- und Fortzüge von Ausländern das Wanderungsgeschehen bestimmen. Die Chance, die demografische Bevölkerungsstruktur in Deutschland in Zukunft durch aktive Migrationspolitik zu beeinflussen, wird betont. Trotz baldiger Freizügigkeit sei jedoch insbesondere das Potential an Zuwanderern aus ost- und südosteuropäischen Staaten begrenzt. Ähnlich wie Deutschland haben sie einen demografisch bedingten Rückgang jüngerer Arbeitskräfte zu erwarten. Dagegen bergen die Länder der südlichen Mittelmeeranrainer (v. a. Türkei und Nordafrika) ein wesentlich größeres Migrationspotenzial, da zu ihnen nicht nur ein demografisches, sondern auch ein sozio-ökonomisches Gefälle besteht, d. h. konkrete Migrationsanreize bereits bestehen. js
Weitere Informationen:
www.zuwanderung.de
www.integrationsbeauftragte.de