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Ausgabe 9
Dezember 1999
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Todesfälle bei irregulären Grenzübertritten

Sowohl an der Grenze zwischen den USA und Mexiko als auch an den Außengrenzen der Europäischen Union starben in den vergangenen Jahren zahlreiche Personen bei dem Versuch eines irregulären Grenzübertritts. Zum Teil ist der Anstieg der Todesfälle von Migranten auf die Verschärfung von Grenzkontrollen zurückzuführen. Zu diesem Schluss kommt die im Sommer 1999 in der US-amerikanischen Zeitschrift International Migration Review veröffentlichte Untersuchung eines Forschungsteams des Center for Immigration Research (CIR) der Universität Houston/Texas.

Im Untersuchungszeitraum von 1993 bis 1997 starben mehr als 1.600 Personen bei dem Versuch des irregulären Grenzübertritts in die USA. Im gleichen Zeitraum starben etwa 920 irreguläre Migranten in der Europäischen Union, der Großteil davon an den Außengrenzen der Gemeinschaft. Eine genaue Quantifizierung der Mortalität von irregulären Migranten ist nicht möglich. Nach Angaben der US-amerikanischen Grenzschutzpolizei (Border Patrol) sind v.a. in den Wüstengebieten des Südwestens der USA Leichen oft nicht auffindbar. Auch kann nicht immer festgestellt werden, ob es sich bei den aufgefundenen Leichen um legale Einwohner lateinamerikanischer Herkunft oder um illegal eingereiste Personen handelt. Bei etwa 50% der Todesfälle konnte die Nationalität nicht bestimmt werden. Bei den festgestellten Nationalitäten handelte es sich nahezu ausschließlich um mexikanische Staatsangehörige (90%). Etwa 62% der Verstorbenen waren im Alter von 20 bis 40 Jahren, 85% männlichen Geschlechts.

Die Untersuchung des CIR stützt sich auf Daten der medizinischen Dienste in den US-amerikanischen Grenzgemeinden sowie auf mexikanische Quellen im Falle von Ertrunkenen, die auf der mexikanischen Seite des Grenzflusses Rio Grande bzw. Rio Bravo del Norte angespült wurden. Die häufigsten Todesursachen sind Ertrinken (29%, v.a. im Rio Grande sowie im All-American Canal im Imperial Valley/Kalifornien), Auto- und sonstige Unfälle (27%), Mordfälle durch auflauernde Kriminelle (14%) sowie umweltbedingte Todesfälle, wie Erfrieren, Hitzschlag oder Verdursten (14%). Letztere Todesursache verzeichnete im Untersuchungszeitraum einen Anstieg, welchen die Wissenschaftler des CIR v.a. auf die Verschärfung der Grenzkontrollen durch Programme wie "Operation Blockade" (1993, El Paso/Texas, später "Operation Hold the Line"), "Operation Gatekeeper" (1994, San Diego/Kalifornien), "Operation Safeguard" (1994, Nogales/Arizona) und "Operation Rio Grande" (1997, Brownsville/Texas) zurückführen. Diese Programme haben zur Folge, dass irreguläre Migranten vermehrt in abgelegenen Regionen und unter extremen Umweltbedingungen statt in urbanen Zentren die Grenze kreuzten.

Auch in der Bundesrepublik Deutschland sind Todesfälle bei irregulären Grenzübertritten zu beklagen. Nach Angaben der Antirassistischen Initiative (ARI) starben zwischen dem 1. Januar 1993 und dem 1. Juli 1998 insgesamt 81 Personen bei dem Versuch einer irregulären Einreise in die Bundesrepublik Deutschland, 60 davon an den deutschen Ostgrenzen. Die Antwort der deutschen Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke, Petra Pau (beide PDS) und der Fraktion der PDS weist darauf hin, dass im Zeitraum vom 1. Januar 1997 bis 10. Oktober 1999 insgesamt 42 Personen an den Grenzen bzw. im Grenzgebiet Deutschlands tot aufgefunden wurden. Des Weiteren registrierten die deutschen Behörden im Berichtszeitraum 81 Fälle von Verletzungen im Zusammenhang mit irregulären Grenzübertritten, größtenteils Bissverletzungen durch Dienst- bzw. Zollhunde oder durch die Folgen von Verkehrsunfällen bei der Flucht vor Mitarbeitern des Grenzschutzes.

Seit 1998 ist nach Angaben der Bundesregierung ein Rückgang der Todesfälle an der deutschen Ostgrenze zu verzeichnen. Diese Tendenz führt die Bundesregierung auf die änderung der Schleusungsrouten von der deutsch-polnischen Grenze (mit den Flüssen Oder und Neiße) an die deutsch-tschechische und deutsch-österreichische Landgrenze zurück.

sta

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